Da hat das Außenministerium also wieder einmal tief in die Mottenkiste der Sinnstiftung gegriffen und eine Konferenz ausgerichtet, diesmal im Namen jenes europäischen Rates, der so klingt, als hätte ihn jemand erfunden, während er auf die Beamer-Fernbedienung wartet. Satte 107.000 Euro soll das Vergnügen gekostet haben, ein Betrag, der in Wien ungefähr drei Gründerzeitmieten, zweieinhalb Kaffeehäuser mit Schanigarten oder einen dienstaglichen Empfang mit kanadischen Jungwinzern entspricht.
Man darf sich also kurz vorstellen, wie Referentinnen und Referenten mit ernsten Mienen um runde Tische sitzen, Softdrinks umrühren und Sätze sagen wie „Wir müssen die multilaterale Architektur neu denken", während draußen der E-Roller vom Kurierboten gegen den Türstock knallt. 107.000 Euro sind in der Welt der Außenpolitik ungefähr so viel wie ein freundliches Nicken mit Kostenpflicht. Es ist nicht zu viel, es ist nicht zu wenig, es ist exakt jene Summe, bei der sich niemand beschwert, solange das Buffet zumindest als „international" durchgeht.
Die FPÖ findet das natürlich empörend, und zwar aus einer Haltung heraus, die man in Österreich als „chronisch entrüstetes Stirnrunzeln" bezeichnen könnte. Es ist die gleiche Empörung, die man empfindet, wenn der Nachbar einen neuen Fernseher kauft, den man selbst gerne hätte. Streng genommen geht es nicht um das Geld, es geht um die Tatsache, dass andere es ausgeben, und zwar genau dort, wo die Freiheitlichen am liebsten selbst sitzen würden: in der ersten Reihe, mit Headset und Namensschild.
Die Opposition rechnet also vor, dass man mit 107.000 Euro auch ein mittelgroßes Gymnasium einen Monat lang mit WLAN versorgen könnte, oder sechs Musikvereinsproben, oder die Hälfte jener Brücke, die seit 2018 irgendwo in einem Landesplan steckt. Das klingt plausibel, ist aber auch ein bisschen so, als würde man einem Restaurant vorwerfen, dass es für das Menü auch eine Heizung hätte bezahlen können. Natürlich hätte es das. Aber das Menü ist nun einmal das Menü, und die Heizung steht woanders.
In Wahrheit ist die Konferenz das diplomatische Äquivalent einer Sitzplatzreservierung im Warteraum der Geschichte. Man kommt, man sagt kluge Dinge, man tauscht Visitenkarten aus Papier, das nach drei Minuten zerfleddert, und irgendwann fragt jemand, ob es noch Kaffee gibt. Dass das 107.000 Euro kostet, ist weniger ein Skandal als ein Hinweis darauf, wie unglaublich teuer es ist, wenn ein Staat den Eindruck erwecken will, er hätte noch Einfluss auf Dinge, die er nicht beeinflusst.
Wenn man das Ganze konsequent zu Ende denkt, hätte man die Konferenz auch in einem oberösterreichischen Wirtshaus abhalten können, mit Erdäpfelkas und Ortsfeuerwehr. Dann hätte es 4.700 Euro gekostet und das Außenministerium hätte sich nebenbei ein echtes Bild davon machen können, was „subsidiär" auf Hoamatopler-Niveau bedeutet. Stattdessen gibt es Buffet, Beleuchtung und jenen speziellen Wien-Mief aus Teppich und Ledermappe, in dem große Gedanken traditionell leise verklingen.
Die Pointe bleibt am Ende fast schon rührend: Die FPÖ kritisiert die Ausgaben scharf, das Außenministerium verteidigt sie routiniert, die Konferenz ist längst vorbei, die Erkenntnisse sind unauffindbar, und die 107.000 Euro sind weg, vermutlich in Form von Tagessätzen, die ein Schweizer Think-Tank für europäische Außenpolitik liquidiert hat. Es ist, als hätte jemand mit voller Absicht ein Fenster aufgestoßen, damit man wenigstens einmal frische Luft in diese Diskussion bekommt. Und die Freiheitlichen stehen draußen und rufen trotzdem „Fenster zu!".