Vierbeinige Majestäten, zweibeinige Untertanen und eine Tortenansprache, die selbst dem gestürztesten Kater das Schnurren zurückbringen würde. Der Verein der Weizer Katzenfreunde feiert sein silbernes Jubiläum, und wer glaubt, in einem Katzenhaus gehe es gemütlich zu, hat die Dynamik österreichischer Vereinspolitik noch nie erlebt. Hier wird nicht gestreichelt, hier wird regiert.
Obfrau Elisabeth Sebestyen thront über Spendern und Schmusern wie eine Monarchin, deren Volk ausnahmslos schnurrt und auf Kommando den Buckel macht. Wer einmal erlebt hat, wie eine Katzen-Obfrau eine Tortenansprache hält, weiß, warum in Wien die Hofburg steht und in Preding das Katzenhaus. Es geht um Macht, nur eben um jene, die mit Thunfisch duftet.
Gegründet wurde das Ganze im Jahr 2001 von Traude und Helmut Habe, zwei Menschen, die offenbar so viel Liebe übrig hatten, dass sie beschlossen, diese nicht nur aneinander, sondern an vierhundert nasse Nasen pro Jahr zu verschleudern. Eine ehrenamtliche Entscheidung, die in der Steiermark ungefährend so viel Anerkennung bringt wie ein Sängerknabe ohne Falsett. Man macht es halt, man spricht nicht darüber, und falls doch, dann bitte mit Torte.
Die Helferinnen und Helfer, diese stillen Säulen der Katzenrepublik, werden bei jeder Feier aufs Neue beklatscht, als hätte jemand freiwillig einen Sonntag im Katzenkot verbracht und wäre deshalb per Dekret zum Landesheiligen ernannt worden. Tatsächlich ist es so, und es soll auch so bleiben, denn wer in einem Katzenhaus arbeitet, weiß, dass Dankbarkeit in Österreich eine Währung ist, die nur bei Jubiläen ausgegeben wird. Ansonsten regiert der Katzenjammer.
Was die Spenderinnen und Spender betrifft, so darf man sie sich als eine Art Feudaladel vor, die sich mit ein paar Euro die Gunst der Obrigkeit erkaufen. Dafür bekommt man einen Eintrag in die Chronik, ein Lächeln der Obfrau und gelegentlich die Erlaubnis, einen Kater zu streicheln, der einen mit dem Blick eines österreichischen Finanzbeamten mustert. Wer hier gibt, gibt nicht aus Gutmütigkeit, sondern aus staatsbürgerlichem Pflichtgefühl gegenüber der pelzigen Hoheit.
Natürlich darf bei einem Vierteljahrhundert Vereinsgeschichte die obligatorische Rückschau nicht fehlen. Zahlen werden genannt, die jeder halbwegs begabte Statistiker als kosmetische Größen bezeichnen würde. So wurde, und das ist durchaus bemerkenswert, das eine oder andere Tierchen vor dem sicheren Tersein bewahrt, und gleichzeitig, und das ist noch bemerkenswerter, der eine oder andere Euro in die Kasse gespült, was bekanntlich beides zum Funktionieren einer modernen Katzenrepublik dazugehört.
Am Ende sitzt man dann da, zwischen Kuchenkrümeln und Katzenhaaren, lauscht den Reden, die klingen wie Wahlkampf im September, und fragt sich leise, ob hier wirklich Katzen gerettet werden oder ob nicht vielmehr Karrieren eine zweite Chance bekommen. Sei es drum. Solange der Thunfisch reicht und die Obfrau lächelt, ist die Welt im Katzenhaus in Ordnung. Wer jetzt applaudiert, darf anschließend ein Kätzchen streicheln und sich für ein weiteres Jahr als Untertan fühlen. Prost, auf die nächsten fünfundzwanzig.