Man muss den Voitsbergern zugutehalten, dass sie sich Mühe gegeben haben. 3.600 Menschen in einen Fußballkäfig zu stopfen, der normalerweise für die Hälfte davon gedacht ist, das ist schon eine Leistung. Da wurde eine Zusatztribüne aufgestellt, ein VIP-Bereich installiert, vermutlich auch das Sektl kalt gestellt und die Bürgermeister-Rede einstudiert. Alles war angerichtet für den großen Abend, das Wetter passte nach einem Regenguss, die Stimmung passte, nur das Ergebnis passte halt nicht.
Denn am Ende stehen da 4:1 auf der Anzeigetafel, und das ist in etwa so, wie wenn man drei Tage lang den Christbaum schmückt und dann das Kabel vom Lichtstrang fehlt. Sturm kam, sah und sortierte das Geschehen mit der lässigen Routine eines Bundesligavereins, der weiß, dass so ein Cupspiel in der Provinz maximal die Aufwärmphase für die Kabinenpredigt danach ist.
Besonders rührend war das Schicksal der Latte in Minute sieben, die für Voitsberg den Helden geben durfte. Ein Ball an den Querbalken, das ist im Fußball die klassische Minimalhoffnung, die so tut, als wäre sie mehr. In Voitsberg wurde das vermutlich schon in der Halbzeitpause als moralischer Sieg verkauft, mit Aussagen wie Charakter gezeigt, Moral bewiesen und Wille war da. Wille war da, ja. Tore waren nicht da.
Unterdessen veranstalteten die Anhänger ein eigenes Programm. Pyrotechnik im Stadion, Pyrotechnik vor dem Stadion, Pyrotechnik auf der Burg, weil offenbar niemand den Burgwart gefragt hat. Die Polizei sicherte alles, die Feuerwehr raste zur Burg, und am Ende stand im Polizeibericht der Satz, der in Österreich nach jedem Großeinsatz steht: keine größeren Vorkommnisse. Das ist der Beamtenjargon für Es war höllisch, aber wir wollen keinen Aufsichtsrat verärgern.
Der Einsatzleiter durfte noch in die Rolle des weisen Erzählers schlüpfen und resümieren, dass alles ruhig war, abgesehen von der großen Menge an Pyrotechnik. Das ist so, wie wenn der Wirt sagt, es war ein netter Abend, nur der Brand zählt halt nicht. In Voitsberg hat man verstanden, dass Fußball in der Provinz immer auch ein bisschen Dorffest ist, mit Blasmusik, Würstlstand und einem Bundesligaverein als Festredner, der unbedingt länger bleiben wollte als geplant.
Was bleibt von diesem Abend? Eine Zusatztribüne, die jetzt wieder abgebaut werden muss, ein VIP-Bereich, der zwei Stunden lang genau das war, wonach er klingt, eine Burg, die kurzzeitig als illegale Feuerwerkszone umgewidmet wurde, und ein Verein, der beim nächsten Mal wieder sagt, diesmal ist alles möglich. Möglich war es auch diesmal, nur halt nicht von ihnen.
Das Schönste an der Geschichte ist trotzdem die Tatsache, dass in Voitsberg seit Tagen alle so tun, als wäre das 1:4 fast ein Triumph gewesen. Man habe den Favoriten geärgert, man habe Paroli gebliebt, man habe Moral bewiesen. Stimmt alles. Nur das Torverhältnis sagt halt was anderes. Und das ist der Punkt, an dem die schöne Fußballromantik halt wieder bei der Realität ankommt, die in Graz wohnt und einen besseren Kader hat.
Am Ende bleibt die Gewissheit, dass die Voitsberger das nächste Mal wieder eine Zusatztribüne aufstellen werden, wieder hoffen werden und wieder von einer Atmosphäre reden werden, die angeblich an Königsklassen erinnert. Nur das Ergebnis kommt halt aus einer anderen Liga. Und der Pyrotechnik-Einsatz wird auch beim nächsten Mal stattfinden, denn Tradition ist Tradition, auch wenn die Burg nichts dafür kann.