Man hat es ja immer schon geahnt, aber jetzt ist es amtlich, also messbar und somit quasi unanfechtbar: Österreich war diesen Sommer die Vorhöfe der Sahara, nur ohne Kamele und mit schlechterer Luft. 41,2 Grad in Bad Deutsch-Altenburg, dem Ort, dessen Name allein schon nach Kurzurlaub klingt, als hätte die Natur ein Exempel statuieren wollen. Kein laues Lüfterl, kein sanfter Föhn, nichts. Der August brannte, als hätte jemand das Land kurz auf links gedreht und vergessen, es wieder zurückzudrehen.
Dabei sind die echten Helden dieses Sommers jene Menschen, die in Wiener Altbauwohnungen zwischen dritter und vierter Etage ohne Aufzug wohnen und trotzdem täglich zur Arbeit erschienen. Sie haben sich nicht beschwert, sie haben nur leise vor sich hin gekocht. Wer zwischen Juli und September in der Innenstadt das Bett bezog, schlief nicht, sondern wartete, bis die Wände aufhörten zu schwitzen. Wer morgens in Hornstein aufwachte und las, es sei nachts nicht unter 28,5 Grad gefallen, durfte sich offiziell Tropennachtbürger nennen. Ein Titel, auf den man lieber verzichtet hätte.
Die Landwirtschaft hat derweil eigene Rekorde aufgestellt. Felder, die aussahen, als hätte man sie mit dem Bügeleisen traktiert. Böden, die knirschten wie Katzenstreu. Bauern, die ihre Kühe freundlich baten, doch bitte sparsamer zu atmen, weil jedes zusätzliche CO2 die Lage noch verschärfe. In Weyer fehlte fast sechzig Prozent des üblichen Regens, was ungefähr der Situation entspricht, wenn man die Dusche streicht und sich wundert, warum es trotzdem nicht frisch riecht.
Besonders unterhaltsam ist das Phänomen, dass ausgerechnet Bregenz, also jene Stadt, die man instinktiv mit Bodenseewind und kühlem See verbindet, heuer auf 43 Hitzetage kam. Normalerweise sind es dort acht. Acht! Die Menschen dort haben sich im Sommer vermutlich gefühlt wie Norweger, die plötzlich in Andalusien aufwachen und höflich lächeln, während der Schweiß sie von innen aufweicht. In Ferlach hat man derweil mit 59 Hitzetagen den gesamten österreichischen Rekord gebrochen, der zuvor erst 2024 aufgestellt worden war. Es ist, als hätte das Wetter beschlossen, alle zwei Jahre ein neues Rekordbüchlein zu drucken und es auf den Namen Hitzekanzler zu taufen.
Und dann die gewohnte österreichische Doppelstrategie: einerseits Dürre, andererseits Unwetter, als wäre der liebe Gott mit der Gießkanne ein bisschen inkonsequent unterwegs. In St. Pölten musste ein Festival pausieren, weil ein Gewitter hereinzog, was streng genommen die erste wetterbedingte Sitzungspause der Republik war. Im Bergland gab es Muren und Überschwemmungen, also jene Kombination, bei der gleichzeitig zu viel und zu wenig Wasser existiert, was die Katastrophenhilfe in jenen Zustand versetzt, den Logistiker gern als kreatives Chaos bezeichnen.
Am Ende bleibt das große Staunen über die eigene Anpassungsfähigkeit. Die Menschen deckten sich mit Ventilatoren ein, als gäbe es kein Morgen mehr. Eisdielen meldeten Umsätze, die sonst nur in der Weihnachtszeit üblich sind. In den Büros liefen Klimaanlagen auf Hochtouren, während draußen die Temperaturen Rekorde brachen und drinnen die Energiewende leise weinte. Österreich hat den Sommer 2026 überlebt, mit Würde, mit Panik und vor allem mit der bewährten Mischung aus Jammern und Durchhalten. Auf dass der nächste Sommer genauso ausfällt, nur bitte mit etwas mehr Regen und deutlich weniger neuem Hitzerekord. Sonst müssen wir bald die Alpen als Klimaanlage umfunktionieren, was die Liftbetreiber freuen dürfte.