Es gibt Sätze, die so klingen, als hätte sie jemand aus einer Pressekonferenz ins Allgemeine übersetzt, weil die Landessprache der Beamten bekanntlich nur aus drei Vokabeln besteht: wichtig, bedeutend, langfristig. So auch hier, wo einmal mehr die Packer Straße als Lebensader des Lavanttales gefeiert wird, obwohl die meisten Lavanttaler sie hauptsächlich deshalb nutzen, weil sie zwischen Wolfsberg und der A2 nun einmal alternativlos ist. Lebensader klingt trotzdem schöner. Klingt nach Puls, nach Drama, nach einem Stethoskop, das der Landeshauptmann-Stellvertreter an den Asphalt hält.
Dass die Unterführung Wolfsberg Nord in einem teils desolaten Zustand ist, wusste man ungefähr seit dem Tag ihrer Errichtung. Desolat ist in Kärnten aber auch ein relativer Begriff. Manche Bauwerke hier wirken schon bei der Eröffnung so, als hätte ein Architekt aus der Steinzeit auf seinem iPad gewischt und die Tragfähigkeit in den Sand gesetzt. Insofern ist die Sanierung weniger eine Rettung als eine sehr teure Aussprache zwischen Bauwerk und Behörde, moderiert von 630.000 Euro aus dem Straßenbaureferat, was in etwa so viel ist wie ein nettes Wochenende auf den Malediven, nur ohne Meer, dafür mit Baulärm.
Interessant wird es bei der Baupoesie. Tunnelbeschichtung, Entwässerung, später dann die Beleuchtung, versteht sich, weil nichts so viel Sinn ergibt wie eine Unterführung ohne Licht, die monatelang nur halbseitig benutzbar ist. So bekommt der Begriff Verkehrsinfrastruktur endlich wieder jenen existenziellen Unterton, den er verdient. Wer in Wolfsberg wohnt, weiß ohnehin, dass jede Fahrt zur Arbeit eine Mischung aus Schicksal, Geographie und trotzdem ist, und wenn jetzt noch eine Spur wegfällt, darf man sich als Pendler fühlen wie ein Läufer bei Olympia, dem man die halbe Bahn gesperrt hat, weil die andere Hälfte zur selben Zeit gewienert wird.
Dass die Maßnahme bis Mitte Dezember dauert, passt hervorragend in die kärntnerische Jahresplanung. Im Sommerloch erklärt man Sanierungen, im Herbst entschuldigt man sich für Baustellen, im Winter rühmt man sich, dass trotz Schnee alles funktioniert hat. Im Frühjahr kommt dann die Beleuchtung, also jener Teil, den man auch gleich im ersten Anlauf hätte mitmachen können, was allerdings die Zahl der Pressetermine halbiert hätte, und das wäre, ehrlich gesagt, eine volkswirtschaftliche Katastrophe gewesen. Schließlich lebt die Politik hier nicht von der Straße, sondern von der Fotomöglichkeit daneben.
Die einspurige Führung wird vermutlich jene Menschen zusammenbringen, die sich an der Ampel nie begegnet wären. Man wird sich kennenlernen, man wird sich zuwinken, man wird sich, wie es sich gehört, gegenseitig die Vorfahrt lassen, und am Ende der Baustelle wird jeder das Gefühl haben, eine kleine Gemeinschaftserfahrung gemacht zu haben, fast wie ein gemeinsamer Urlaub, nur ohne Klimaanlage und mit frischer Tunnelbeschichtung als Souvenir. Wer das Bauwerk künftig ohne Schaden passiert, hat nicht nur eine Straße benutzt, sondern ein Stück Kärnten durchquert. Wer danach noch glaubt, hier werde nur asphaltiert, hat die Pointe nicht verstanden.