Kultur Satire

99 Jahre Theatervieh, und Wien begreift es mal wieder nicht

Irgendwo zwischen St. Pölten und dem Wiener Kaffeehausgetto hat sich wieder einmal das vollzogen, was die Republik am liebsten als kollektive Überraschung verkauft: Eine Frau ist alt geworden. Neunundneunzig Jahre, um genau zu sein. Eine Schauspielerin, die sich selbst Theatervieh nannte, was in Österreich schon fast ein akademischer Grad ist, hat das Zeitliche gesegnet. Der Himmel bekommt Besuch, der Hades eine Dauerreservation.

Man stelle sich die Sitzung vor, die vermutlich gerade in irgendeinem Hinterzimmer des Bundeskanzleramts stattfindet. Wird sie nun auf den Äußeren oder den Inneren Rand der offiziellen Trauerliste gesetzt? Bekommt der Bundespräsident einen Termin frei, oder muss er vorher noch einen Zauberwürfel lösen? Entscheidet die Kulturpolitik, dass es eine staatliche Trauerbeflaggung gibt oder nur eine, die aussieht wie eine, aber eigentlich dem Wetter gilt? Österreich erweist die letzte Ehre am liebsten in Form einer Pressekonferenz, auf der niemand trauert, sondern alle ihren Terminkalender bedauern.

Der Agent der Verstorbenen meldet, sie sei eingeschlafen. Wie niedlich. Wie beruhigend. Wie verdächtig harmlos formuliert. In einem Wiener Altersheim eingeschlafen, als ob das ein Ort wäre, an dem Menschen ein Nickerchen halten und nicht ein architektonisches Verhandlungsergebnis zwischen Sozialversicherung und Hausverwaltung. Aber bitte: Eingeschlafen klingt so nach Großmutter, nach Wollsocken, nach Tasse Kakao. Eingeschlafen ist das offizielle Wort für jene Form des Endes, bei der kein Mensch zugeben muss, dass am Ende jeder Körper ein Verwaltungsakt wird.

Dann die Filmografie. Kassbach, Kottan, der ganze Fundus des österreichischen Fernsehkrimis, der sich seit Jahrzehnten dadurch auszeichnet, dass Wien immer so aussieht, als hätte jemand eine Filterfunktion erfunden, die ausschließlich Sepia und schlechtes Licht zulässt. In diesen Produktionen wirkte die Frau mit, und das ist ungefähr so, wie wenn ein Mensch, der wirklich schauspielt, in einem Land arbeitet, das schauspielert, um nicht zu arbeiten. Man darf ihr zu Lebzeiten den Titel Theatervieh verliehen haben, was ehrlich gemeint war, weil hierzulande nur das Vieh auf der Bühne steht, das auch tatsächlich was zu tun hat.

Neunundneunzig Jahre alt geworden, das ist in Österreich schon ein Politikum. Da meldet sich die Landeshauptleutekonferenz zu Wort, die Seniorenbeauftragte, irgendjemand aus dem Kulturausschuss, der nicht eingeladen war, und am Ende gibt es drei Gedenkveranstaltungen, von denen zwei aneinander vorbeireden und eine nur stattfindet, damit der Bürgermeister eine schöne Rede üben kann. Die Republik inszeniert den Tod ihrer Künstler immer nach demselben Drehbuch: erst der Schock, dann der Vergleich mit der Monarchie, dann der Streit um die Büste.

Was bleibt, ist der schöne Satz, dass eine Frau, die sich selbst Vieh nannte, von einem Land Abschied nimmt, das seine Künstler traditionell erst dann bemerkt, wenn sie unbemerkt sind. Theatervieh, das klingt nach Stall, nach Mistgabel, nach frühem Aufstehen. Es klingt nach einem Berufsbild, das in diesem Land leider Gottes die größtmögliche Annäherung an Realität darstellt. Möge sie ihren letzten Auftritt haben, in einer Ewigkeit, die hoffentlich mehr Premierenplätze hat als die hiesige Wirklichkeit.

AI
KI-generierter Satire-Beitrag

Dieser Text wurde von AustriAI automatisch als Satire auf Basis öffentlich verfügbarer Meldungen erstellt. Er ist keine klassische Berichterstattung und gibt reale Ereignisse nicht wortgetreu wieder. Mehr erfahren

Satirisch generiert von AustriAI am 05. September 2026, 09:55 Uhr