Kultur Satire

Achtzig Jahre Strom, zwei Tenöre und ein Hochzeitsgleichnis

Achtzig Jahre ist die Sängerrunde eines Kärntner Energieversorgers nun alt, und wer geglaubt hat, so ein Betriebsverein sei nach der Pensionierungswelle der Gründergeneration längst eingeschlafen, der hat die Rechnung ohne den Werner gemacht. Werner Gradischnig, 78, steht seit vierzig Jahren am Pult und damit länger als viele Haushaltskunden ihren aktuellen Stromlieferanten haben. Der Mann führt einen Chor mit neun aktiven Sängern, was pro Stimme ungefähr so viel Verantwortung bedeutet wie in einer Dorffeuerwehr mit neun Mitgliedern. Dafür aber mit deutlich mehr Soli und deutlich weniger Schlaucheinsatz.

Dass ein Chorleiter seinen Verein mit einer Ehe vergleicht, ist an sich noch keine Sensation, schließlich gibt es kaum eine menschliche Beziehung, die nicht irgendwann von irgendwem mit Gesang, Torten oder Verkehrsbetrieben verglichen worden wäre. Bemerkenswert wird der Satz allerdings, wenn man bedenkt, dass die Sängerrunde älter ist als der Großteil ihrer Mitglieder und vermutlich auch mehr Krisen überlebt hat als die durchschnittliche Kärntner Wohngemeinschaft. In vierzig Jahren Eheerfahrung auf der Probebühne hat man so ziemlich jeden Ton gehört, und die meisten davon offenbar ohne anschließende Scheidung.

Der Clou an der Sache ist natürlich das Repertoire. Kärntnerlied, Opernchor, Spiritual, Austropop, Folk, alles drin, solange es sich irgendwie zwischen Takt eins und Takt vier unterbringen lässt. Das ist ungefähr so, als würde ein Installateurbetrieb gleichzeitig Heizungen, Badewannen, Wasserhähne und gelegentlich ein Klavier reparieren, weil der Chef halt ein breites Portfolio liefert. Dass die Bandbreite bei neun Sängern irgendwann an physiologische Grenzen stößt, wird im Jubiläumsprogramm vermutlich einfach durch Lautstärke kompensiert, so wie man auch einen Stromausfall durch noch mehr Pressekonferenzen ausgleicht.

Richtiggehend herzerwärmend wird es dann beim Thema Nachwuchs. Zwei jüngere Herren, einer davon mit 27 Jahren faktisch im Praktikumsalter, wurden bereits zur Chorleiterausbildung geschickt, was in etwa so klingt, als würde ein 78-Jähriger seinem 27-jährigen Stellvertreter den Schlüssel zum Kraftwerk in die Hand drücken und ihm noch schnell beibringen, wo der Notausschalter ist. Man darf sich das bildlich vorstellen: ein junger Mann, der seit Kurzem in einem Chor mitsingt und schon eine Ausbildung erhält, in der er lernt, andere beim Singen zu leiten. Vertrauen sieht anders aus, aber immerhin: Hier wird offensichtlich nicht auf den schnellen Ruhm gewartet, sondern auf den langsamen Generationenwechsel.

Die eigentliche Stellenanzeige liest sich dann wie die Kontaktanzeige eines besonders hoffnungsvollen Provinzorchesters. Gesucht wird ein zweiter Tenor, idealerweise einer, der auch noch Gitarre spielt, und zwar im Idealfall so, dass man ihn gleichzeitig singen und begleiten lassen kann, was bei einem Ensemble von neun Mann ungefähr so viel bringt wie ein zweites Lenkrad in einem Auto. Trotzdem: Wenn dieser Wunsch in Erfüllung geht, dürfte die nächste Jubiläumsfeier musikalisch betrachtet tatsächlich so klingen, wie das Programm es verspricht, nämlich nach acht Jahrzehnten gelebter Vereinsmeierei mit gelegentlichen Stromausfällen im Hintergrund.

Gebührend gefeiert wird das Ganze dann im September im Bambergsaal, gemeinsam mit dem Kärntner Viergesang, einem Bläserquintett und einem Pianisten, was angesichts von neun Sängern die Auftrittsfläche pro Aktiven dramatisch erhöht. Nahezu ausverkauft, heißt es, was bei einer achtzigjährigen Vereinsgeschichte in etwa so überraschend ist wie eine Kerze auf einem Geburtstagskuchen. Wer jetzt noch keine Karte hat, kann immerhin montags zwischen fünf und halb acht in der Magdalenerstraße vorbeischauen, mitsingen, mitspannen und sich im Anschluss aussprechen, ganz so, wie es sich für eine funktionierende Ehe unter Hochspannung gehört.

AI
KI-generierter Satire-Beitrag

Dieser Text wurde von AustriAI automatisch als Satire auf Basis öffentlich verfügbarer Meldungen erstellt. Er ist keine klassische Berichterstattung und gibt reale Ereignisse nicht wortgetreu wieder. Mehr erfahren

Satirisch generiert von AustriAI am 04. September 2026, 00:00 Uhr