Es gibt Klubs, die kämpfen um Titel, um Punkte, um Tore. Und es gibt einen Klub, der kämpft vor allem um Papier. In einem beschaulichen Salzburger Tal hat man sich entschieden, das runde Leder grundsätzlich nur noch als Vorlage fürs Runde im Aktendeckel zu verwenden. Drei Instanzen hat man nun schon durchlaufen, jede mit demselben Ergebnis: Man darf nicht. Statt den Hinweis als sportliche Niederlage zu begreifen, wurde er prompt als neue Runde im Endlos-Verfahren gedeutet. Im Klubhaus steht statt einer Taktiktafel inzwischen ein Aktenschrank, und der Trainerstab wurde aus Mangel an Personal kurzerhand durch einen Anwaltsstab ersetzt.
Besonders rührend wirkt das Schicksal jener Kicker, die längst bei einem anderen Verein trainieren, dort aber nicht spielen dürfen, weil der Klub, der sie nicht mehr einsetzt, sie auch nicht gehen lässt. Man nennt das im Salzburgischen wohl Vertragstreue, anderswo eher Geiselnahme mit Kaderplan. Zwei Brüder schuften also in Hallein vor sich hin, ohne je ein Pflichtspiel bestreiten zu dürfen, und das Ganze wird vom Verein offenbar als moderne Form der Nachwuchsförderung verkauft. Auch Dutzende Kinder warten brav auf grünes Licht, um endlich für den Nachbarklub auflaufen zu dürfen, denn nichts prägt den Nachwuchs so sehr wie das Gefühl, zwischen zwei Umkleidekabinen auf ewig geparkt zu sein.
Parallel dazu wird in der Stadtgemeinde prozessiert, was das Beamtentum hergibt. Die Causa Bischofshofen entwickelt dabei jene Sogkraft, die man sonst nur von Großbaustellen kennt: Jede Sitzung produziert neue Mails, jede neue Mail produziert neue Sitzungen, und am Ende steht ein Beschluss, der dann wieder ein neues Aktenzeichen erzeugt. Wenn man den Stadtrat nach dieser Logik weitermachen lässt, braucht man irgendwann keinen Fußballplatz mehr, sondern gleich ein zweites Rathaus, weil das erste nur noch als Materiallager für Klagen dient. Die Verwaltung darf sich jedenfalls freuen: Endlich jemand, der den Papierverbrauch im Ort auf europäisches Niveau hebt.
Nun also der Cup-Ausflug zu einem Bundesligisten, irgendwo im Ländle, in einer Partie, die rein rechnerisch die letzte ihrer Art sein könnte. Verliert man, ist die Saison nach dem zweiten Pflichtspiel vorbei, und das im österreichischen Fußball, wo selbst Drittligisten für gewöhnlich noch ein paar Monate an ihren Illusionen basteln dürfen. Es klingt nach Tragödie, ist aber vor allem Effizienz: Warum monatelang am Untergang arbeiten, wenn es sich auch in einer Halbzeit erledigen lässt? Die Fangemeinde darf sich auf einen würdigen Abgang freuen, flankiert von Anträgen, Widersprüchen und dem stets wiederkehrenden Satz, dass man sich ja noch einmal beraten müsse.
Währenddessen tagt der zuständige Fußballverband in Vorstandssitzungen, verschickt Aussendungen und kündigt Ergebnisse für unmittelbar nach der Beschlussfassung an, als wäre das eine echte Sensation und nicht das routinemäßige Aufheben von etwas, das vorher schon dreimal aufgegeben wurde. Das Ganze trägt die Handschrift jener österreichischen Verwaltungskomik, die sich selbst dann feiern lässt, wenn sie nur einen bereits gefällten Beschluss noch einmal in eine Pressemeldung gießt. Die Beteiligten nicken, die Akten wandern, die Kameras bleiben aus, und alle gehen nach Hause mit dem beruhigenden Gefühl, dass sich der Kreis endlich schließt.
Am Ende bleibt das Bild eines Vereins, der im Verfahren gegen sich selbst den höchsten Aufwand betreibt und im Spielbetrieb den niedrigsten. Vielleicht ist das die wahre Modernisierung des Fußballs: nicht mehr um Tore kämpfen, sondern um Schriftsätze, und die Liga-Erlaubnis als Nebenprodukt einer unendlichen Sitzung. Sollte das so weitergehen, wird der Klub irgendwann eine eigene Rechtsabteilung haben, einen Platzwart, der zugleich Notar ist, und ein Stadion, das nur aus Büros besteht. Der Ball liegt dann irgendwo in einem Ordner, und alle warten auf die nächste Instanz.