Es ist wieder soweit, die Republik schwitzt, die Republik hadert, und die Republik fragt sich allen Ernstes, ob sie sich nächstes Jahr eine Klimaanlage anschafft. Man darf das nicht als Zeichen des Fortschritts werten, sondern als Kapitulationserklärung einer Spezies, die jahrzehntelang über das Klima geredet hat und nun vor der existenziellen Frage steht, ob 29 oder 31 Grad auf dem Thermometer steht. Das ist die neue Form der Teilhabe, nicht mehr wählen, sondern schwitzen und anschließend in Kommentarspalten erklären, warum es am Ende immer die anderen gewesen sind.
Zunächst einmal ist es bemerkenswert, wie der Mensch sein Leid zu inszenieren versteht. Da liegen also die Wiesen braun da, als hätte jemand den Stecker der Natur gezogen, und schon schleichen sich die ersten Bedenkenträger durchs Bild, die einem erklären wollen, dass es früher im August eigentlich immer geregnet habe. Hat es nicht. Es hat auch früher schon den einen oder anderen Hitzschlag gegeben, nur hat damals halt noch keiner ein Smartphone besessen, um darüber zu jammern, während er gleichzeitig im klimatisierten Büro sitzt und Kaffee bestellt, der ihm pünktlich vor die Nase gestellt wird. Die neuen Wetterkapitäne steuern ihre Schiffe durch die sozialen Medien und wundern sich, warum die Flora nicht spuren will.
Besonders rührend ist das Schicksal der Gartenbesitzer, die in diesen Tagen zwischen Rasenmäher und Existenzkrise pendeln. Man sieht sie stehen, die Sensenmänner und Grillerinnen, wie sie auf gelbe Halme starren und so tun, als hätten sie nicht jahrelang für billigen Rollrasen plädiert. Jetzt, wo die Wahrheit in Form von braunen Flecken auf ihrem Grundstück Einzug hält, fällt ihnen auf, dass Wasser irgendwie schon praktisch gewesen wäre. Hätten sie damals, als man ihnen den Sparduschkopf empfahl, nicht so eifrig genickt, würde jetzt vielleicht noch was Grünes wachsen, aber gut, das war halt auch wieder zu viel des Guten, irgendwo muss man ja auch mal leiden, öffentlich, versteht sich.
Die Bauern, diese tragischen Poeten der Scholle, blicken derweil auf ihre Felder wie auf ein verstorbenes Familienmitglied. Man darf annehmen, dass sie die Lage ernst nehmen, weil schließlich das Vieh hungert, die Kunden hungern und der Kredit auch. Trotzdem, wer jetzt in den Dörfern die Diskussion eröffnet, ob man nicht Subventionen für Klimaanlagen im Stall verteilen sollte, der hat das Wesen der Republik verstanden. Nicht die Lösung zählt, sondern das Programm, und Programme müssen vor allem eines sein, schön bürokratisch, schön österreichisch.
Am Ende bleibt nur die Gewissheit, dass der Sommer unseres Missvergnügens keine Abschiedsvorstellung gibt, sondern lediglich eine kurze Pause. Nächstes Jahr, wenn die Thermometer wieder Werte anzeigen, die man früher als Fieber interpretiert hätte, werden dieselben Menschen erklären, dass sie ja immer schon gewarnt hätten. Vielleicht besorgen sie sich dann tatsächlich eine Klimaanlage, oder vielleicht besorgen sie sich wieder eine Meinung, was ja auch schon mal hilft, wenn nur die Lautstärke stimmt.