Das Schuljahr 2026/27 beginnt in Burgenland mit einem Wachstumsschub, der selbst die Türkenpflanze im Lehrerzimmer neidisch machen würde. Über 33.000 Kinder und Jugendliche strömen zurück in die Bildungseinrichtungen, als hätten sie den Sommer nur genutzt, um neue cleverere Ausreden für vergessenes Hausaufgaben zu erfinden. Besonders beeindruckend: Die Zahl der Berufsschülerinnen und Berufsschüler steigt auf rund 450 – vermutlich, weil endlich jemand gemerkt hat, dass man nicht nur Theorie lernen muss, sondern auch, wie man eine Bohrmaschine hält, ohne sich den Daumen abzuschießen.
Doch das eigentliche Spektakel spielt sich in den Klassenzimmern ab. Dort wurden sage und schreibe 16 zusätzliche Klassen geschaffen – eine Zahl, die einerseits nach administrativer Akribie riecht, andererseits nach einem verzweifelten Versuch, dem erwarteten Ansturm von Schülern Herr zu werden, der plötzlich aus dem Nichts auftaucht, als hätte jemand einen Schalter umgelegt und „mehr Bildung“ gedrückt. Drei davon gehen an die HAK/HAS Eisenstadt, jeweils zwei an das Wimmer Gymnasium Oberschützen, die HTL Eisenstadt und die BAfEP Oberwart. Der Rest verteilt sich wie ein schlecht geplantes Lottogewinn auf Gymnasien und Fachschulen von Neusiedl am See bis Jennersdorf – Orte, die manche noch mit einem Blatt Papier finden müssen, weil ihr Navi sie für Mythologie hält.
Die Bildungsdirektion betont, dass diese Zahlen vorläufig seien – ein Satz, der in der österreichischen Verwaltung genauso viel Gewicht hat wie das Versprechen „Wir sehen uns beim Kaffee“, das niemals eingelöst wird. Denn sobald die erste Woche um ist, könnte sich alles ändern: Vielleicht stellen sie fest, dass die zusätzlichen Klassen eigentlich für Lehrkräfte gedacht waren, die nie gekommen sind. Oder dass die Schülerzahlen nur deshalb gestiegen sind, weil irgendjemand die Ukrainischkurse fälschlicherweise als Volksschule gezählt hat. Wer weiß? In Burgenland lernt man schließlich nicht nur lesen und schreiben, sondern auch, mit Unsicherheit umzugehen – eine Schlüsselkompetenz fürs Leben.
Besonders bemerkenswert ist der Bedarf an Lehrkräften in Sonderpädagogik, Inklusion, Kroatisch, kreativ-musischen Fächern und Mathematik – Fächer, die irgendwie immer dann knapp werden, wenn man sie am meisten braucht, wie Regenschirme beim plötzlich einsetzenden Hagel. Trotzdem versichert die Bildungsdireitung, dass derzeit alle Stellen besetzt seien – eine Aussage, die genauso beruhigend wirkt wie die Nachricht, dass das Flugzeug genug Treibstoff hat, während man bereits über dem Atlantik sitzt und die Triebwerke leise quietschen. Dennoch seien Bewerbungen wünschenswert – ein klassischer österreichischer Doppelbodensatz, der bedeutet: „Wir haben zwar jemanden, aber der ist wahrscheinlich bald weg, krank, in Elternzeit oder hat beschlossen, im Ausland Kräuter zu züchten. Also bitte, bewerbt euch, bevor es zu spät ist – oder nachdem es bereits zu spät ist, denn dann nehmen wir euch trotzdem.“
Schulschließungen seien derzeit nicht vorgesehen – eine beruhigende Nachricht, die jedoch ebenso viel Wert hat wie das Gelübde eines Politikers, nie wieder eine Steuer zu erhöhen. Wer weiß, vielleicht steht ja im Herbst plötzlich fest, dass einige Schulen knapp an der Mindestschülerzahl liegen – ein Problem, das derzeit noch nicht erkennbar ist, weil niemand wirklich weiß, wie viele Schüler eigentlich dazugehören, wenn man diejenigen abzieht, die nur kommen, um die Heizung auszunutzen, oder die, die fälschlicherweise glauben, dass „Berufsschule“ ein Ort ist, an dem man lernt, wie man Beruf macht – also reich wird – und enttäuscht das Weite sucht.
Abschließend bleibt die Lernunterstützung des Landes ein heller Hoffnungsschimmer: Im letzten Schuljahr erhielten über 6.000 Schüler Nachhilfe – insgesamt mehr als 20.000 Stunden, genug, um einem einzigen Schüler beizubringen, wie man eine Rakete baut, eine Oper komponiert und gleichzeitig Latein lernt – wobei letztere Fähigkeit in Burgenland vielleicht doch nützlich ist, wenn man irgendwann einmal eine Inschrift auf einem alten Grabstein dechiffrieren möchte, der besagt: „Hier liegt jemand, der Mathehasst war – aber durch Nachhilfe überlebte.“
Zum Glück läuft das Angebot seit 2023/24 kontinuierlich – ein Beweis dafür, dass manche Dinge in der Bildung tatsächlich besser werden, solange man nicht auf die offizielle Schülerzahl schaut. Denn irgendwann, zwischen all den zusätzlichen Klassen, fehlenden Lehrkräften und vorläufigen Zahlen, stellt man sich die Frage: Lernen die Kinder hier eigentlich mehr – oder einfach nur, wie man mit Absurdität fertig wird? Und ehrlich gesagt: Vielleicht ist das ja die wichtigste Lehrstunde von allen.