Es ist wieder so weit. Das Burgenland hat sich im Spiegel betrachtet, festgestellt, dass es besonders strahlt, und sofort eine Arbeitsgruppe für Landesvergottung einberufen. Man sei nun offiziell der hellste Fleck der Republik, verkündete man nicht etwa den Menschen, sondern vor allem sich selbst, in einem elfseitigen Schreiben, das nur aus dem Wort Stakeholder und verschiedenen Kaffeehausdeko-Varianten bestand.
In Eisenstadt tagte man bis spät in die Nacht, um das neue Amt für Windige Angelegenheiten zu schaffen. Dem ersten beamteten Lüftchen wurde ein Dienstwagen mit Solarfolie und ein privates Wölkchen zugestanden. Man einigte sich darauf, dass Natur ausreicht, wenn man sie nur oft genug auf Briefköpfe druckt. Das westliche Österreich dreht derweil weiter kein Rad, was das Burgenland als klare Kampfansage des Alpengestrüpps wertete.
Besonders stolz ist man auf das neue Förderungsabschreckungsmodell des Bundes. Da der Bund die Photovoltaik-Zuschüsse kürzt, baute man im Südburgenland einfach die Sonne nach. Mit roten Lampen, etwas Griptape und dem Mut, der kleine Männer im``,` Kleinstaat groß macht. Jeder Haushalt bekommt ab sofort eine Rechnung für eingebildete Strahlkraft, damit die Energiewende auch dann klappt, wenn es regnet, schneit oder der Chef der Energie GmbH gerade auf Seminar ist.
Der dortige Energiechef, ein Mann, dessen Titelseitenlächeln bereits drei Gemeinderäte in den Ruhestand trieb, erklärte die Weltlage mit einem Kuchendiagramm aus Marillenmarmelade. Man könne Projekte nur mit Menschen umsetzen, sagte er und meinte damit jene Menschen, die ihm beim Halten der Redneruhr zusehen. Die Stakeholder hätten genickt, das sei genug Demokratie für ein Quartal.
Während andere Länder noch über Leitplanken diskutieren, gründete das Burgenland die erste windgesteuerte Monarchie. Ein einzelnes Windrad bei Oberwart wurde feierlich zum Landesvater ernannt, bekam eine Rente und darf an Feiertagen pfeifen. Wenn es stillsteht, gilt das als Staatstrauer, dann hängen alle Ämter ein Tuch aus und lesen gemeinsam das Erneuerbaren-Beschleunigungsgesetz vor, bis es weht.
Das Ziel, bis 2030 so viel grünen Strom zu machen wie verbraucht wird, gilt im Burgenland längst als zu wenig ambitioniert. Man plant nun, den Stromüberschuss in Gläser abzufüllen und als Sonnensaft nach Wien zu exportieren. Dort trinken sie ohnehin alles, was woanders herkommt und nach Initiative schmeckt. Das Land der Sonne und der Winde ist bereit. Der Rest der Republik darf zuschauen, staunen und langsam verrotten.