Es gibt sie noch, die wunderbare Welt der Fußballtrainerzitate, in denen jedes Wort so sorgfältig ausgewählt wirkt wie der Mittagssnack vor dem Spiel. Auf der einen Seite steht ein Mann, der seine Mannschaft gesehen hat und vor lauter Begeisterung fast selbst vom Platz laufen möchte, um mitzuspielen. Fünf Minuten Glück, der Rest Dominanz, Chancen am Fließband und eine Ballsicherheit, die man sonst nur von Stahlseilakten kennt. Dass bei der Arbeit gegen den Ball noch eine Schippe draufgelegt werden muss, versteht sich von selbst, denn irgendwo muss der bescheidene Trainer ja noch Raum für Verbesserung lassen, sonst wäre die Siegerpose ja unvollständig.
Auf der anderen Seite steht das Gegenstück, der kollegiale Leidensgenosse, der ganz tapfer zugibt, dass die ersten zehn Minuten noch halbwegs nach Plan verliefen. Danach wurde man passiv, dann kam ein Eigentor, das natürlich Pech war, und ab dem 0:2 war der Faden weg. Wohin der Faden verschwand, ob er unter der Bank liegt, im Tornetz hängen blieb oder im VIP-Bereich als Souvenir gekauft wurde, bleibt eines der großen Mysterien des österreichischen Fußballs. Dass in der zweiten Hälfte immerhin die Aggressivität zurückkehrte, darf als kleiner Triumph gewertet werden, immerhin hat Salzburg in dieser Form vermutlich auch das Catering der gegnerischen Kabine beeindruckt.
Lehrgeld ist ein wunderbares Wort. Es klingt nach Sparbuch, nach Bausparvertrag, nach solidem Österreich. Wer Lehrgeld zahlt, investiert klug in die Zukunft, statt einfach nur zu verlieren. Dass diese Investition ausgerechnet in Form von sechs Gegentoren und der Gewissheit erfolgte, dass der eigene Verein langfristig davon profitieren möchte, gibt der Sache einen fast philosophischen Anstrich. Junge Spieler sollen entwickelt werden, und gleichzeitig will man unter die Top sechs, um sich mit den Besten zu messen. Eine Balance, die in etwa so realistisch ist wie der Versuch, mit einem voll beladenen Einkaufswagen und einem Kinderwagen gleichzeitig durch die Drehtür zu kommen.
Die Suche nach der richtigen Balance ist übrigens der heimliche Lieblingssport aller Trainer, die nach deftigen Niederlagen vor die Mikrofone treten. Balance klingt wichtig, Balance klingt nach Coaching, Balance klingt nach einem Seminar, das man teuer bezahlt hat und dessen Folien man jetzt recycelt. Dass zwischen Top sechs und Tabellenende in etwa der gleiche Abstand liegt wie zwischen Wunsch und Wirklichkeit, wird höflich verschwiegen. Schlag auf Schlag geht es weiter, nach dem Spiel ist vor dem Spiel, und die Tagesordnung der Pressekonferenzen bleibt ewig dieselbe.
Am Ende bleibt das beruhigende Gefühl, dass der österreichische Fußball nicht nur auf dem Platz, sondern auch im Wortschatz seiner Trainer eine unverwüstliche Konstanz besitzt. Solange Fäden verloren gehen, Schippen draufgelegt werden und Lehrgeld gezahlt wird, solange Dominanz beschworen und Balance gesucht wird, ist die Welt in Ordnung. Selbst wenn das Ergebnis eher nach Kabarettabend als nach Spitzenfußball klingt. Wer nach so viel Pathos noch wissen will, wie das nächste Spiel ausgeht, darf sich auf die nächste Pressekonferenz freuen, in der dieselben Sätze mit minimalen Variationen wiederkehren werden, so verlässlich wie die Würstel am Würstelstand und die Krise am Montag.