Der Wochenend-Fussball in Oesterreich verlaeuft nach einem bewaehrtem Algorithmus: Jemand schreibt ein Datum auf ein Blatt Papier, ein anderer kreuzt dort zwei Vereinsnamen an, und schon hat das System etwas produziert, das keiner mehr hinterfragt. Am Sonntag dann die schoenste Satire der Woche: Der Vizemeister besiegt den Doublegewinner zuhause, der Aufsteiger fuehrt in Lustenau, und die Wiener Austria dreht das Ganze in allerletzter Sekunde. Alles exakt nach Plan, sagt man, wenn man nach dem Schlusspfiff noch jemanden braucht, der die Fakten bestaetigt.
Die Linzer wiederum sind zum ersten Mal in dieser Saison aus den Punkten gerutscht, was bedeutet, dass sie Punkte hatten und sie nun nicht mehr haben. Das ist die eigentliche Revolution, denn seit wann verliert ein Tabellenfuehrer, ohne dass der Tabellenfuehrer etwas veraendert hat? Die Tabelle fuehrt Punktgleich vor Rapid an, was bedeutet, dass irgendjemand dort oben noch ein Spiel mehr hat, aber das spaetzt die Runde nicht mehr. Die Mathematik koennte recht haben, aber die Mathematik hat noch nie in der Kabine gestanden.
Die Austria drehte in Wien also den Spielstand, und das Wort drehen treffen hier voll ins Schwarze, denn die Spielidee drehte sich in der zweiten Haelfte ebenfalls um hundertachtzig Grad. Manchmal gewinnt man ein Spiel, weil der Schiedsrichter pfeift, und manchmal gewinnt man, weil niemand mehr genau weiss, wann der Abseits angefangen hat. Der LASK verlor erstmals Punkte, was in der sechsten Runde passiert, und das klingt nach einer Niederlage, ist in Wahrheit aber nur ein voruebergehender Systemfehler.
In Innsbruck fuehrte Hartberg mit zwei zu null gegen die WSG Tirol, und das Fuehren ist bei Hartberg offenbar ein Dauerzustand, den man bei Null zu Zwei zurueckgeben muss, damit die Statistik Sinn ergibt. Irgendwann führt man nicht mehr, weil man vorher geführt hat, und das ist das eigentliche Fussballphänomen, über das keine Studie schreibt, weil niemand weiß, wie man das in Tabellen formeln kann.
Das Endergebnis alledem ist ein Spielplan, der wie ein Gerichtsprotokoll klingt, aber wie ein Kabarett-Programm liest. Wer am Sonntag zuhause saß und zuschauen wollte, wie abstrakte Systeme gegeneinander arbeiten, war genau richtig. Der Sturm schlägt den LASK, die Austria besiegt Lustenau, und Hartberg versöhnt sich mit sich selbst. Alles wie im Film, nur dass der Drehbuchautor diesmal der Spielplan war.