Man stelle sich einen Ort vor, an dem sich Wirtschaft, Information, Kunst und Unterhaltung die Hand reichen. Das klingt nach einem Manifest, nach einer politischen Grundsatzrede, vielleicht nach einem Symposium der ernsten Sorten. In Wahrheit ist es ein Rummel. Genauer gesagt ein Rummel mit Discozelt, der sich trotzdem traut, sich Messe zu nennen, als wäre die Republik ohne diese Veranstaltung verloren wie ein Wanderer ohne Kompass.
Der Freitagabend gehörte dann ganz der Jugend, jener geheimnisvollen Spezies, die sich erst seit Kurzem erinnern kann, was ein Schulbeginn ist, und dennoch schon eine eigene Feierkultur pflegt. Ein DJ mit dem Künstlernamen Astaire trat auf, was vermuten lässt, dass irgendwann zwischen erstem Auflegen und erstem grauen Haar eine Schicksalswendung passierte. Unterstützt wurde er von einem Mann namens Greene, was allein deshalb schon verdächtig klingt, weil die Nachnamen in Discozelt-Kreisen selten auf Steuerbescheide schließen lassen.
Im Discozelt wurde Gas gegeben. So steht es geschrieben, vermutlich weil es seriöser klingt als getanzt. Zwei Künstler mit italienisch klingenden Namen, einer davon angeblich ein Spiegelmann, was die Frage aufwirft, ob das ein Künstlername ist oder eine Nebenwirkung von Neonlicht um drei Uhr früh. Die Teenies feierten prall gefüllt, also die Teenies, nicht das Zelt, obwohl beides eine gewisse Plausibilität besitzt.
Nebenan, im Almrausch-Zelt, fand parallel eine Schlagerparty statt, was den diskreten Charme eines Mehrfrontenkrieges besitzt. Hier tanzt die Seele des Landes, dort pumpt der Bass, dazwischen wandern Menschen mit Plastikbechern hin und her wie Botschafter zwischen verfeindeten Lagern. Am Sonntag dann ein Frühschoppen mit der Bauernmusi Mischendorf, also der musikalischen Entsendung einer Gemeinde, was klingt wie eine kleine außenpolitische Initiative.
Die Sprecherin der Veranstaltung sprach von einem Höhepunkt, was bei einem Discozelt nicht weiter verwunderlich ist, schließlich ist jeder Abend dort oben, sofern die Beine mitmachen. Dass ein Höhepunkt zugleich eine Messe sein soll, die Wirtschaft und Information verbindet, lässt tief blicken, vor allem auf jene, die in solchen Hallen ihre Visitenkarten tauschen, während im Nachbarzelt die Bodenhaftung auf der Strecke bleibt.
Bleibt die Erkenntnis, dass das Burgenland in dieser Woche mehrfach Geschichte geschrieben hat. Nicht die Weltgeschichte, nicht einmal die Landesgeschichte, aber zumindest die Geschichte jener Teenies, die sich irgendwann einmal an einem Zelt in Oberwart erinnern werden, kurz bevor der Ernst des Lebens beginnt, der bekanntlich erst nach dem Schulbeginn anfängt, vorher ist alles nur Probedurchlauf. Was bleibt, ist die Gewissheit, dass irgendwo ein Mann mit Headset steht, ein anderer mit einem angeblichen Spiegel jongliert, und eine ganze Region mit dem feierlichen Ernst einer Messe das Wochenende zelebriert, als hinge der Staatshaushalt davon ab. Tut er nicht. Aber das ist eine andere Geschichte.