Wer in diesen Tagen das Wort "gute Nachricht" hört, hebt instinktiv die Augenbrauen. Das letzte Mal, als jemand in Österreich etwas "für gut" befand, kostete es die Republik einen Bundespräsidenten, einen Parkpickerl-Streit und einen Onkel, der glaubte, er könne im Stammcafé die Speisekarte neu ordnen. Trotzdem gibt es nun offenbar den Versuch, den Bürger einmal pro Woche mit etwas zu beglücken, das nicht nach Steuererhöhung, Parkraumbewirtschaftung oder neuer Baustelle auf der Tangente klingt. Man muss das würdigen. Alleine der Mut.
Die erste gute Nachricht betrifft ferienmüde Eltern und besonders eifrige Schulkinder. Der Schulbeginn im Osten Österreichs steht bevor. Für die Kinder bedeutet das: Wochenlange Freiheit, nur unterbrochen von den berühmten drei Minuten Toilette, in denen das gesamte Schulsystem seine revolutionärste Neuerung der letzten Jahrzehnte feiert. Kostenlose Toiletten. Man darf das ruhig wiederholen, damit man es glaubt. Kostenlose Toiletten. In einem Land, in dem man für ein Glas Leitungswasser in manchen Beisls noch die Rechnung prüfen muss, wird plötzlich der menschliche Grundbedarf ohne Münzeinwurf ermöglicht. Das ist die Art von Fortschritt, die Geschichtsbücher füllt, sofern man die Geschichtsbücher nicht gerade aus Budgetgründen einspart.
Natürlich ist auch der Rest des Septembers offenbar prädestiniert dafür, "Neues zu beginnen". Das klingt verdächtig nach der Sorte Jahresanfang, die jedes Fitnessstudio kennt, nur dass diesmal die zweite Jahreshälfte gemeint ist. Wer also seinen inneren Schweinehund überlisten will, sollte das jetzt tun, am besten mit einem Ausnahme-Sommer im Rücken, der so außergewöhnlich war, dass er bereits in den Köpfen der Meteorologen eine Ausnahme brauchte. Man stelle sich vor, wie die Republik kollektiv die Schultern rollt, die Trinkflasche schultert und mit frischem Elan in den Alltag marschiert. Mit Elan, der genau so lange hält, bis der erste Parkschein fällig wird.
Was bleibt, ist die Frage nach der überfälligen Kampfansage. Wem sie gilt, ist unklar. Dem Montag? Dem September selbst? Dem Toilettenpapier, das in manchen öffentlichen Anlagen noch immer wie ein Kunstwerk inszeniert wird? Vielleicht ist es auch eine Kampfansage an die Erwartungshaltung der Leserschaft, die seit Jahren traurig daran gewöhnt ist, dass "gute Nachrichten" in Österreich maximal bedeuten, dass die Semmelstraße nicht überschwemmt wurde. Man darf gespannt sein, was die nächste Folge bringt: Eine Hundesteuer-Senkung? Ein freies Lächeln im AMS-Wartebereich? Ein Minister, der eine Pressekonferenz hält, ohne dabei das Wort "Reform" zu benutzen?
Bis dahin gilt: Wer eine wirklich gute Nachricht sucht, kann sich jederzeit selbst eine ausdenken. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie stimmt, ist ungefähr gleich hoch wie die, dass in diesem Land jemand auf Anhieb eine funktionierende öffentliche Toilette findet, die nicht schon seit März als "saniert" ausgeschildert ist. Aber wir haben ja September. Alles ist möglich. Sogar der Anfang von etwas Neuem. Und sei es nur der Anfang einer neuen Runde von Drei-Minuten-Erleichterungen.