An Österreichs Ladesäulen tobt ein Krieg, der nur an der Oberfläche um Stromkreise und Kilowattstunden geführt wird. In Wahrheit geht es um die Frage, wer in Zukunft den lieben langen Tag die Hoheit über den heimischen Parkplatz besitzt, wer das süße Brummen der Fördermillionen hört und wer am Ende wie ein dummer Tourist vor der eigenen Steckdose steht. Während die Republik mit großen Gesten die Verkehrswende ausruft, haben findige Ladenetzbetreiber das Wildwest-Gen der alten Tankstellenpächter geerbt und digital aufgeputzt. Nur dass man jetzt nicht mehr Zapfhahn gegen Zapfhahn vergleicht, sondern eine kleine schwarze Karte aus der Brieftasche zieht, die in der Provinz wie ein Freifahrtschein aussieht und in Wahrheit ein Kontrollverlust ist.
Natürlich gibt es Regeln, schließlich ist die EU mit dabei und liefert wunderbare Abkürzungen, die jeder Beamte liebt. Da steht dann in bestem Amtsdeutsch drin, dass alles einfach, transparent, vergleichbar und diskriminierungsfrei zu sein hat, was in der Praxis bedeutet, dass die freundlichen Hinweisschilder an den Säulen in etwa so aussagekräftig sind wie das Kleingedruckte eines dubiosen Timesharing-Vertrags auf Bali. Wer keine Lust hat, vor jedem Ladevorgang ein Wirtschaftsstudium zu absolvieren, der darf im Selbstbedienungsmodus der Nation gerne ein paar Euro mehr dalassen. Immerhin wird so die Wertschöpfung im Land gehalten, und das ist doch die Hauptsache, solange das Bankkonto eines anderen strapaziert wird.
Besonders charmant ist das neue Spiel mit den Karten. Zieht der ahnungslose Konsument die falsche, lädt er an derselben Säule, am selben Tag, vielleicht sogar mit demselben Akku und fühlt sich am Ende bestraft wie ein Kunde, der im Wirtshaus die Speisekarte nicht gelesen hat. Wer hingegen mit dem goldenen Plastik der hauseigenen Truppe wedelt, darf sich als Mitglied einer geheimen Bruderschaft wähnen, die in einem Tempel der Schnellladung weilt. Es ist die moderne Version des einstigen Stammtischs, an dem man gefälligst zu wissen hatte, welcher Wirt den Schnaps selbst brennt und welcher nur das Etikett schön findet.
Die eigentliche Pointe dieser schönen neuen Elektrowelt besteht jedoch darin, dass die Konsumenten offiziell befreit werden sollen von der lästigen Pflicht, mit Verbrenner-Romantik zu denken, und stattdessen die Hoheit über den Algorithmus erhalten. Sie dürfen nun nicht mehr tanken wie Bauern, sondern müssen laden wie Broker. Wer das nicht kann, wird mit Preisen bestraft, die sich gewaschen haben und gerne einmal das Zweieinhalbfache des günstigsten Tarifs erreichen, was in etwa dem Verhältnis entspricht, in dem ein Sektfrühstück beim Promi-Buffet zu einem Glaserl Most am Dorffest steht. Die Branche nennt das Roaming, was nach Urlaub klingt und sich anfühlt wie ein kleiner Grenzübertritt in die eigene Geldbörse.
Und weil nichts so schön ist wie ein Markt, der sich seine Regeln selbst gibt, dürfen die Konsumenten auch gerne weiterhin mehrere Karten, mehrere Apps und mehrere Glaubensrichtungen pflegen. Wer sich weigert, wird höflich darauf hingewiesen, dass er sich einfach nur ein bisschen mehr mit der Materie beschäftigen möge, was in der Sprache der Branche so viel heißt wie: lieber Kunde, das nächste Mal bring halt das richtige Zaubergerät mit. Am Ende steht dann ein durchschnittlich elektrifizierter Pendler vor einer blitzblanken Säule mitten in der steirischen Provinz, betrachtet sein Display, seufzt tief und fragt sich, ob das alles hier vielleicht doch nur eine sehr ambitionierte Fortsetzung des guten alten Zapfsäulen-Romans ist, nur mit mehr WLAN und weniger Benzin.