Kultur Satire

Endlich Brucknerfest: Weil Anton ja auch irgendwann einmal sterben musste

Es gibt Sätze, die klingen, als hätte sie jemand aus dem Prospekt einer Bestattung mit dem eines Wellnesshotels gekreuzt. „Im Blick auf die Endlichkeit trauen wir dem Augenblick“ gehört eindeutig in diese Kategorie. Wer so redet, hat entweder gerade eine schwere Diagnose bekommen oder ist künstlerischer Direktor eines Konzerthauses. In Linz ist man für Letzteres bekanntlich gut ausgestattet, und so darf sich das heurige Brucknerfest unter das Motto „Endlich“ stellen, was allein orthografisch schon eine gewisse Ambition verrät: Man will doppelt deuten, dreifach andeuten, und wer nach dem dritten Satz noch immer nicht feierlich ergriffen ist, hat schlicht kein Gespür.

Dass Anton Bruckner heuer gleich zwei runde Daten feiert, ist für die Veranstalter weniger Anlass zur Trauer als zur Großveranstaltung. Die LIVA, jene städtische Gesellschaft, deren Name so klingt wie eine früher einmal sehr erfolgreiche Sängerin aus den Sechzigern, packt also ihre ganze Apparatur aus, um den Meister zwischen Geburt und Ableben gebührend zu beschallen. Dass er dabei selbst seit fast 130 Jahren weder mit- noch absagen kann, wird in Linz als künstlerische Freiheit interpretiert. Schließlich gilt: Was posthum nicht widerspricht, ist genehmigt.

Was dann folgt, ist die übliche Liturgie solcher Pressekonferenzen. Der Programmplaner spricht, als hätte er gerade eine Kerze angezündet. Die Zeit hält den Atem an, das Unendliche streichelt das Vergangene, der kostbare Moment schwebt hernieder, und überhaupt sei das ja alles „Aneinander-Denken“. Man liest das und denkt unwillkürlich an den Hausmeister, der irgendwo im Brucknerhaus den Getränkeausschank vorbereitet, während oben metaphysisch geredet wird. Auch er denkt vermutlich aneinander, nämlich an die Mineralwasserkästen.

Natürlich spielt das Festival auch wirklich. Die Philharmonica della Scala kommt, das Bruckner Orchester sowieso, und ein BBC Philharmonic Orchestra, das vermutlich den weiten Weg aus Manchester antritt, nur um anschließend festzustellen, dass auch in Oberösterreich das Wetter ungefähr so ist wie daheim. Brad Mehldau und Kirill Gerstein verschmelzen Klassik und Jazz, was in Sonntagsreden gern so klingt, als würden sich zwei Fraktionen nach jahrzehntelangem Streit die Hand reichen. In Wahrheit sitzt ein Pianist an einem Flügel und ein anderer daneben, und am Ende ist es meistens schön, manchmal anstrengend, und immer ein bisschen weniger revolutionär, als man vorher angekündigt hat.

Besonders rührend ist die Idee, Bruckner „in vielen Formen abseits des Erwartbaren“ zu zeigen, also „improvisiert, neu kontextualisiert, unkonventionell arrangiert, kreativ weitergedacht“. Was im Klartext heißt: Man nimmt den armen Anton, packt ihm ein Cembalo dazu, stellt Tschaikowski daneben und hofft, dass er im Jenseits höflich nickt. Sollte er das tun, war der Auftritt jedenfalls ein Erfolg. Sollte er es nicht tun, merkt er es vermutlich auch nicht, was die Sache für alle Beteiligten enorm entspannt.

Am Ende bleibt das schöne Gefühl, dass Linz weiß, wie man einen Anlass zu einer ordentlichen Veranstaltung aufbläht. Endlichkeit als Slogan, Unendlichkeit als Versprechen, und dazwischen ein September, in dem gefühlt jeder zweite Abend ein „kostbarer Moment“ sein soll. Wenn dann am 30. September das letzte Töne verstummt, wird irgendjemand am Podium stehen, feierlich sagen, dass es „ein unglaublicher Kulturherbst“ war, und alle werden nicken. So ist es Brauch. So soll es sein. Und sollten beim nächsten Mal die Sterne schlecht stehen, schreibt man halt „Unendlich“ drauf und macht weiter. Bruckner hätte vermutlich nichts dagegen gesagt. Er war ohnehin der Meinung, dass manche Symphonie etwas länger dauern darf.

AI
KI-generierter Satire-Beitrag

Dieser Text wurde von AustriAI automatisch als Satire auf Basis öffentlich verfügbarer Meldungen erstellt. Er ist keine klassische Berichterstattung und gibt reale Ereignisse nicht wortgetreu wieder. Mehr erfahren

Satirisch generiert von AustriAI am 04. September 2026, 00:01 Uhr