Man darf sich kurz fragen, warum ausgerechnet das Burgenland immer wieder als Jungbrunnen der Kriminalistik herhalten muss. Jahrelang dachte man, das einzige, was dort ordentlich wächst, seien Uhudler und die Laune auf den Wahltag. Nun wissen wir, dass die pannonische Tiefebene offenbar auch jene Menschen besonders inspiriert, die in Wien mit großzügiger Energieversorgung gärtnern, als ginge es um die Mischkultur im Burggarten.
Die Geschichte beginnt, wie die meisten österreichischen Polizeierfolge beginnen: mit einem Mann, einem Auto und der ungebrochenen Bereitschaft der Behörden, jeden Zentimeter Reichsstraße auf Suchtmittel hin abzuklopfen. Ende April, also exakt in jenem Monat, in dem die Setzlinge idealerweise aus der Brutphase in die Blüte umziehen, wird ein Lenker angehalten, der unter dem Einfluss von irgendetwas steht. Was genau, weiß man nicht, weil in Österreich ja alle Substanzen je nach Parteibuch einmal legal und einmal verboten sind. Das Ergebnis ist stets dasselbe: ein Blick, ein Ausweis, ein Schritt in Richtung Aktenvernichter.
Die Polizei arbeitet das bekanntlich konsequent ab. Aus einem schief gelaufenen Frühschoppen wird über mehrere Monate ein Ermittlungsverfahren, das nun in einem Wiener Haushalt mit zwei Indooranlagen, einundfünfzig Pflanzen, 1,2 Kilogramm geernteten Blüten und einer kleinen Rarität namens psychotrope Pilze endet. Man darf sich vorstellen, wie die Nachbarn das später in der Kantine beim Kaffee verarbeiten werden. Wer immer die Bestellung der Namensschilder für die Türsprechanlage aufgegeben hat, wird sich wundern, warum plötzlich ein Spürtrupp durch das Stiegenhaus läuft, als würde der Hausmeister nach verlorenen Handtüchern suchen.
Dass die Polizei bei solchen Zugriffen nicht zimperlich ist, sondern routend und mit großem Bahnhof arbeitet, gehört zum österreichischen Selbstverständnis wie das schlecht sitzende Schlagstockholster. Die Spezialeinheit mit dem klangvollen Kürzel, das an eine verstaubte Gebäudemarke aus den 1970ern erinnert, rückt an, als gelte es, ein durchschnittliches Reihenhaus gegen eine Panzerfaust zu verteidigen. Wer in Österreich auf zweiundfünfzig Quadratmetern ein bisschen Glashaus betreibt, wird behandelt wie ein mittelamerikanischer Kartellchef. So viel zur Verhältnismäßigkeit, von der Innenministerien in Sonntagsreden gerne sprechen.
Die Pointe dieser Geschichte ist freilich nicht der Mann, der in die Justizanstalt Josefstadt eingeliefert wird, was klingt, als handele es sich um eine längst überfällige Verlegung auf eine schöne Etage. Die Pointe ist das Gesamtpaket: 13,2 Kilogramm angeblich erzeugt, 7,3 Kilogramm angeblich verkauft, 2.000 Euro Bargeld, ein Teleskopschlagstock und die leise Hoffnung, dass in der Küche wenigstens ein Krug Most steht, wenn das alles vorbei ist. Wir wissen es nicht. Wir werden es nie wissen. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass bei einem solchen Fund kein Mostkrug in Reichweite steht, geht gegen null.
Was bleibt, ist der Trost, dass die Republik Österreich ihre Lenkradkontrollen im Burgenland offenbar äußerst gewinnbringend investiert. Während man anderswo überlege, ob man ein paar zusätzliche Radarboxen aufstellt, um die Kassen zu füllen, hat sich hier die Polizei ohne viel Aufsehen direkt zum Großhändler vorgetastet. Man darf annehmen, dass die Schulungen der Polizeischule ab sofort um das Kapitel Pflanzenkunde erweitert werden. Vielleicht bekommt die nächste Generation an Exekutivbeamten den Spitznamen Gärtnermeister, bevor sie überhaupt die Uniform richtig zubekommen.
Am Ende bleibt nur die altbekannte österreichische Wahrheit: Wer Großes bewegen will, fängt klein an, am besten am Steuer eines Autos auf einer Landstraße im Bezirk Neusiedl am See, mit einer Hand am Lenker und einer Prise zu viel Optimismus im Blut.