In Brüssel hat mal wieder jemand etwas vorgestellt, und zwar einen Bericht, der im Grunde bestätigt, was jeder halbwegs wache Mensch auf dem Parkplatz vom nächsten Supermarkt schon längst ausgerechnet hat. Elektroautos kosten beim Fahren weniger als Benziner, ungefähr ein Drittel weniger, was die findigen Rechenkünstler offenbar als historischen Wendepunkt der Mobilität feiern. Klingt plausibel, solange man die Rechnung nicht bis zum Ende führt, denn da wartet ja noch der liebe Nachmittag mit Werkstattbesuch, Ladekabel-Upgrade und dem freundlichen Stromanbieter, der einem erklärt, warum der Kilowattstundenpreis ausgerechnet jetzt eine kleine Bergtour macht.
Die wahren Gewinner dieser Nachricht sind vermutlich jene stoischen Mitmenschen, die beim Frühstück schon den Autoschlüssel mit dem gefühlt dreißigsten Hinweis verbinden, dass man Strom doch einfach selbst erzeugen könnte, am besten mit dem kleinen Windrad auf dem Dachboden, das gleichzeitig das WLAN verbessert und die Nachbarn erfreut. Sie nicken wissend, rechnen den Kindern vor, dass sich der ganze Spass in acht bis vierzehn Jahren amortisiert, also genau dann, wenn ohnehin die nächste Batteriegeneration fällig wäre, was die Sache mathematisch wieder neutralisiert, aber wenigstens das Klima rettet.
Was die feiernden Berichterstatter aus Brüssel verschweigen, ist die geheime Physik des Vorgangs. Ein Benziner geht zur Tankstelle, schluckt, röchelt, fährt weiter. Ein Elektroauto geht zur Tankstelle, ist verwirrt, weil es dort nicht wirklich hingehört, fährt weiter zur Schnellladestation, trinkt in zwanzig Minuten einen Espresso und wartet artig auf das Kabel, das der nette Herr im Akkord einem mit einer Selbstverständlichkeit anbietet, als wäre das schon immer so gewesen. Der wahre Spareffekt entsteht also weniger beim Tanken als beim Warten, weil man dort eine Tageszeit totschlägt, in der man sonst irgendetwas anderes gemacht hätte, und das ist bekanntlich die teuerste Aktivität überhaupt.
Die Batteriekosten, die der Bericht so lobend erwähnt, sind übrigens in dem Moment gefallen, in dem man sie gar nicht mehr brauchte, weil das eigene Modell längst aus dem Sortiment genommen wurde. Ähnlich verhält sich das mit den hohen Treibstoffpreisen, die sich offenbar genüsslich in den Bericht schleichen, nur um den Vergleich noch glänzender zu machen. Ein bisschen wie ein Statist, der kurz die Bühne betritt, zwei Sätze spricht und dann wieder verschwindet, aber die Hauptdarsteller sind die Prozentzahlen, und die stehen brav Spalier.
Wer jetzt erwartet, dass die EU diese wunderbare Erkenntnis mit einer beherzten Geste feiert, also mit einer großen Autobahnladestation an jedem Kuhdorf, der irrt. Es wird vermutlich zuerst eine Studie zur Studie in Auftrag geben, dann eine Folgestudie, die klärt, ob die Folgestudie überhaupt nötig war, und schließlich eine Konsultation, bei der jeder mitreden darf, der einen Plug-in-Hybrid besitzt oder zumindest jemanden kennt, der einen besitzt, wobei am Ende herauskommt, dass Strom zwar billiger ist als Benzin, aber alles andere an einem Auto weiterhin so teuer bleibt wie die Aussicht auf ein eigenes Haus mit Garten, also unerreichbar, aber sehr dekorativ. So gesehen hat Brüssel nicht weniger gespart, sondern lediglich den Gegenstand des Sparens verschoben, und das ist in dieser schönen neuen Welt der Mobilität schon ein beachtlicher Fortschritt, gegen den selbst ein Verbrenner neidisch seinen Auspuff kräuselt.