Es ist soweit: Der Austropop-Barden Rainhard Fendrich, der seit Jahrzehnten wie ein alter Freund im Wohnzimmer der Nation thront, will sich nun endlich verabschieden. Zumindest behauptet er das. Seine „Nur ein Wimpernschlag“-Tour, die angeblich nach 60 Konzerten und zweieinhalb Jahren endet, gipfelt in zwei ausverkauften Abenden im Steinbruch St. Margarethen – einer Location, die so monumental ist, dass man sie leicht mit einem römischen Amphitheater verwechseln könnte, wenn man nicht genau hinsieht und bemerkt, dass es dort kein Publikum gibt, nur Felsen und die Reste einer ehemaligen Industriekultur.
Mit 71 Jahren tritt Fendrich auf einer Bühne auf, die wie eine Opernbühne aussieht, als ob man die Tosca einfach in einen Kalksteinbruch verlegt hätte. Zweiriesige Videowalls flankieren die Bühne, damit auch die Zuschauer auf den hinteren Plätzen – die vermutlich ohnehin nur aus Bäumen und der Ferne bestehen – sehen können, wer actually singt. Fendrich himself looks fit, fast jugendllich, als ob er gerade aus einem Werbespot für Anti-Aging-Creme gekommen wäre. Seine Stimme, so wird behauptet, sei „jugendlich und ausdrucksvoll“, was soviel bedeutet wie: Er singt immer noch so, als ob er 35 wäre, nur mit mehr Falten und weniger Haar.
Auf der Bühne präsentiert er eine Mischung aus Hits, die niemand mehr braucht, aber alle kennen, und politischen Statements, die so vorgebracht werden, als ob man sie gerade unterwegs zur Post aufgeschnappt hat. „Die Social-Media-Portale haben den Hass nicht verstärkt, sondern nur freigelegt. Früher war nicht alles besser, nur im Verborgenen“, sagt er, als ob er gerade eine Weisheit aus der Tasche eines zufällig vorbeigehenden Philosophen gezogen hätte. Seine politischen Ansichten werden mit einer Nonchalance vermittelt, die man als „reife Haltung“ bezeichnen könnte, wenn man nicht wusste, dass er seit den 80ern nichts mehr verändert hat außer dem Haarschnitt.
Der Höhepunkt des Abends ist angeblich die Wiederaufnahme von „I Am From Austria“, einem Lied, das lange Zeit als missverstanden galt, bis es von rechten Kreisen als inoffizielle Nationalhymne missbraucht wurde. Fendrich, der das Lied wieder „zurückerobern“ will, sagt dazu: „Der Song ist ein bisschen wie der Geist, der aus der Flasche kam – man kann seine Heimat lieben, ohne andere zu hassen.“ Eine Aussage, die so allgemein ist, dass sie in keinem konkreten Kontext passt, aber dennoch als tiefgründige Erklärung durchgeht, weil niemand widersprechen will, außer vielleicht der Geist aus der Flasche.
Am Ende des Konzerts, das ohne Pause und mit fünf Liedern weniger als die Hallen-Shows auskommt, bleibt der Eindruck: Es war ein guter Abend, aber keineswegs das „Grande Finale“. Fendrich hat sich nicht verabschiedet, er hat sich einfach nur auf eine andere Bühne gestellt – diesmal mit mehr Felsen und weniger Decke. Und wenn er sagt, er fühle sich jünger als der Papst, dann ist das nicht Selbstironie, sondern die einzige Form der Rebellion, die ihm noch bleibt: die des Alterssarkasmus.