Es gibt Veranstaltungen, die künden bescheiden von sich, und es gibt das Feuerwehrfest, das sich anschickt, die Festwiese einer niederösterreichischen Marktgemeinde kurzerhand in die Republik der alkoholisierten Dauerbeschallung umzuwidmen. Livemusik, Vergnügungspark, Bars, Kulinarik und ein DJ mit dem Künstlernamen Lemar, der vermutlich das gleiche Repertoire spielt wie jeder andere DJ auf jedem anderen Fest, nur mit dem feinen Unterschied, dass hier die Feuerwehr in voller Montur den Eingang bewacht.
Man darf sich das einmal auf der Zunge zergehen lassen: Die Kameradinnen und Kameraden, deren Existenzberechtigung eigentlich darin besteht, im Ernstfall auszuschlafen, zu jeder Tages- und Nachtzeit aufzuspringen und in unbekannte Räume voller Rauch zu marschieren, nutzen ihre freie Zeit, um genau jene Art von Großveranstaltung zu produzieren, vor der sie ansonsten die Bevölkerung warnen würden. Großes Gedränge, Leute mit Plastikbechern, fragwürdige Tanzflächen und das alles unter dem Deckmantel des Ehrenamts. Da ist es fast ein logischer Schluss, dass die Sirene künftig nur noch dann heult, wenn das Bier aus ist.
Die Rechtfertigung folgt stets demselben Schema. Man organisiert, man hilft zusammen, man zeigt Zusammenhalt, man ist da für die Menschen. Schön. Nur fragt sich, ob der Zusammenhalt sich auch dann bewährt, wenn das Zelt um drei Uhr früh in Flammen aufgeht, weil ein Discoball die Hitze nicht mehr abführt. Dann darf die gleiche Truppe, die gerade noch „Ramalamadingdong" zu DJ Lemar gegrölt hat, demonstrieren, dass sie unter Druck tatsächlich funktioniert. Ein bisschen erinnert das an die Logik mancher Militärparaden, bei denen am Ende immer die Musik am lautesten ist und die Disziplin am kürzesten.
Natürlich darf das Ganze auch ein bisschen Selbstfeier sein. Schließlich ist die Freiwillige Feuerwehr eine der letzten Institutionen, die ohne politische Spielchen und ohne Instagram-Filter auskommt, und muss sich deshalb regelmäßig beweisen, indem sie Bier ausschenkt, Kinder durch Hüpfburgen schleust und die regionale Wirtschaft mit Leberkassemmeln stützt. Wenn man dann noch den größten Festtitel des Bezirks einheimst, hat man wenigstens im Frieden gewonnen, was die eigene Bühne angeht. Den Krieg gewinnen andere.
Die Pointe freilich bleibt uns die Feuerwehr schuldig. Wird das Fest künftig als Generalprobe für den Ernstfall gehandelt, oder hat man das letzte Wort längst an die Sponsoren aus der regionalen Brauwirtschaft abgegeben? Vermutlich hängt die Antwort davon ab, wer am Sonntag früher aus den Federn kommt, der Feuerwehrkommandant oder der Mann mit dem Zapfhahn. Wetten nimmt er bestimmt keine an.