Wer einen Diamanten besitzt, der ihn zerstören will, hat in der Regel entweder eine schwere Kindheit, eine gescheiterte Beziehung oder einen Lehrauftrag an einer technischen Universität. In allen drei Fällen hilft bekanntlich nur noch radikale Selbstdarstellung, und genau diese hat nun ein internationales Forscherkonsortium auf die Spitze getrieben, indem es unter enormem Aufwand, enormer Hitze und enormer Sinnlosigkeit bewiesen hat, dass Diamanten doch schmelzen können, wenn man nur bereit ist, jeden vernünftigen Energiehaushalt zu ignorieren.
Dragqueens, Steinmetze und Laserphysikerinnen haben eines gemeinsam: Sie stehen auf Diamanten. Das ist ein Satz, der in keiner wissenschaftlichen Arbeit hätte stehen müssen, in keiner und auch sonst nirgendwo, und genau deshalb steht er jetzt hier. Offenbar ist die akademische Welt an einem Punkt angelangt, an dem man ein Paper nur noch genehmigt bekommt, wenn man vorher die Bühnenkultur um Erlaubnis fragt. Man darf sich das vorstellen wie eine Förderantragssitzung, in der ein bärtiger Dekan mit Krawatte ernsthaft begründet, warum die Erforschung von glitzernden Steinen mit dem Kulturauftrag der Hochschule vereinbar sei, und am Ende nickt das Gremium, weil keiner mehr widersprechen will, solange die Kaffeetasse dampft.
Die eigentliche Erkenntnis, dass unbearbeitete Diamanten dieselbe Kristallstruktur besitzen wie die Proben in irgendwelchen Hochdruckexperimenten, ist ungefähr so überraschend wie die Nachricht, dass Wasser nass ist, wenn man es aus der Leitung lässt. Dasselbe gilt für die begleitende Feststellung, dass Diamanten unter extremem Druck und extremen Temperaturen zerstört werden können, was jeder Juwelier seit jeher instinktiv wusste und trotzdem höflich verschweigt, weil er dann nicht mehr jeden Ring um achtzigtausend Euro verkaufen könnte.
Wirklich bemerkenswert an der Sache ist nicht die Physik, sondern die bürokratische Geste dahinter. Da sitzen Menschen in klimatisierten Räumen, schalten Laser an, deren Bedienung allein schon ein Semester dauert, und braten einen Stein solange, bis er seine Identität aufgibt. Dafür gibt es Fördergelder, Konferenzbeiträge und am Ende einen Auftritt in einem Nachrichtenformat, in dem jemand mit Brille und ruhiger Stimme erklärt, warum das wichtig sei. Wichtig wofür, fragt da niemand, weil die Gegenfrage in solchen Momenten als unwürdig gilt.
Man darf sich die Probanden vorstellen: ein Postdoc, der seit drei Jahren auf eine Stelle hofft, eine Doktorandin, die in Wahrheit lieber Romane schreiben würde, und ein Emeritus, der ohnehin nur noch kommt, weil das Parkpickerl billiger ist als zu Hause. Alle drei haben ein gemeinsames Ziel, und dieses Ziel ist nicht die Erkenntnis, sondern die nächste Zeile im Lebenslauf. Dass dabei tatsächlich ein Diamant flüssig wird, ist das einzige Element, das die Geschichte davon abhält, eine reine österreichische Amtsposse zu sein, in der jeder Beteiligte vor allem eines will, nämlich für ein Foto stillstehen dürfen, auf dem auch wirklich er drauf ist.
Die Pointe am Ende ist natürlich, dass es niemanden interessiert. Weder Juweliere, noch Dragqueens, noch Laserphysikerinnen, noch der gemeine Steuerzahler, der das alles bezahlt hat, werden am Ende anders mit einem Diamanten umgehen. Er bleibt hart, glänzend und völlig ungeeignet für die meisten Lebenslagen. Nur die Forscher haben jetzt eine Geschichte, die sie bei jedem Familienessen erzählen können, und das ist, ehrlich gesagt, vermutlich auch das Einzige, was je aus diesem Experiment hervorgegangen ist.