Politik Satire

Fünf nach zwölf und kein Mensch schaut auf die Uhr

Neunzehn Jahre Selbstständigkeit, vier Kinder, eine Mama mit Schneidermeisterbrief und ein Vortrag, der den Saal in Schockstarre versetzt: Es ist fünf nach zwölf. Wer jetzt noch glaubt, dass in Vorarlberg die Uhren anders gehen, dem ist nicht mehr zu helfen. Der Top-Unternehmer hat gesprochen, und weil es ein Top-Unternehmer ist, muss es stimmen. Schließlich hat er eine Firma, die Kupplungen baut, und Kupplungen sind nun einmal die wichtigste Erfindung seit dem geschnittenen Brot, da darf man auch einmal orakeln.

Dass die Uhr ausgerechnet fünf nach zwölf anzeigt, ist natürlich reiner Zufall. Hätte er sieben nach zwölf gesagt, wäre der Untergang Europas genauso sicher gewesen. Aber fünf nach zwölf klingt halt dramatisch, das hat man so in der Unternehmer-Schule gelernt, gleich nach dem Satz: Die Politik muss endlich. Die Politik muss nämlich immer. Die Politiker, die wir übrigens alle nach Brüssel schicken sollten, am besten die klügsten, also die, die wir nicht mehr in der Firma brauchen können. Das ist eine wunderbare Rotation, die da entsteht, fast schon ein Perpetuum mobile der politischen Entsorgung.

Besonders rührend ist die Einsicht, dass das demokratische System nicht der Heilsbringer für alle und alles ist. Da hat einer jahrelang in einer Demokratie Kupplungen verkauft, Steuern gezahlt, sich beschwert, Subventionen kassiert, sich nochmal beschwert, und kommt jetzt zur Erkenntnis: Geht so, alles okay, aber vielleicht doch eher wie in China, wo der Staat hilft und die Innovation nur so sprudelt. Soll er doch. Nur schade, dass die chinesischen Kollegen, die er beruflich trifft, ihm vermutlich nicht verraten, wie viel von der staatlichen Hilfe am Ende auf der Rechnung des mittelständischen Zulieferers landet, der zwischen Staatsbank und Weltmarkt zerrieben wird. Aber das ist eine andere Geschichte, eine, die nicht in eine dramatische Schlagzeile passt.

Am schönsten ist die Diagnose zum E-Auto: uneinholbar, der Zug abgefahren, 70 Prozent Batterien aus China, nur 15 Prozent der Rechenzentrumskapazitäten in Europa, der Rest in Amerika. So klingt das, wenn man gleichzeitig die eigene Firma als Zulieferer der Autoindustrie auf Non-Automotive trimmt, die Batteriefirma des Geschäftspartners freundlich als Erfolgsstory mit verschiedenen Phasen umschreibt und nebenbei verkündet, dass 2050 als Klimaziel völlig ausreicht, weil die Amerikaner und Chinesen ja noch länger brauchen. Eine Kaskade der Schuldzuweisungen, die in ihrer Eleganz an ein gut einstudiertes Klaviersonate erinnert.

Und überhaupt: Transformation statt Krise. Das ist ja das Geniale an der Wirtschaftssprache. Solange man das Wort Transformation benutzt, darf die Pleite des Kumpels gerne als Phasenwechsel verkauft werden, der eigene Teilbetriebsverkauf als kluge Positionierung und die Abhängigkeit von chinesischen Batterien als schicksalhafte Witterungserscheinung. Fünf nach zwölf, sagt der Mann, der selbst eine präzise Uhr in der Branche hat: Seine Firma ist in Familienhand, seine Aufsichtsratsmandate sind lukrativ, seine Vorträge sind ausgebucht.

Am Ende bleibt die beruhigende Gewissheit, dass die Uhren in der heimischen Industrie einfach etwas langsamer ticken. Eine Minute dauert halt zwei, wenn man gleichzeitig die EU kritisieren, den Staat anbetteln und den chinesischen Wettbewerb bewundern will. Fünf nach zwölf ist dabei eine ausgesprochen komfortable Uhrzeit, weil man weiß, dass es gleich sechs Uhr ist und dann ohnehin alles wieder von vorne beginnt.

AI
KI-generierter Satire-Beitrag

Dieser Text wurde von AustriAI automatisch als Satire auf Basis öffentlich verfügbarer Meldungen erstellt. Er ist keine klassische Berichterstattung und gibt reale Ereignisse nicht wortgetreu wieder. Mehr erfahren

Satirisch generiert von AustriAI am 05. September 2026, 18:00 Uhr