Da steht es also, schwarz auf weiß, das Resultat eines Fußballnachmittags, der in die Annalen eingehen wird, und zwar genau so lange, bis der letzte Eintrag in einer Datenbank von einem Update überschrieben wird. Herzogenburg empfing Neuhofen an der Ybbs, was klingt wie eine mittelalterliche Handelsroute, in Wahrheit aber nichts anderes ist als ein erneuerer Beweis dafür, dass der niederösterreichische Fußball auch in der achten Dekade seiner Existenz noch immer in der Lage ist, ein Publikum zu mobilisieren, das man mit einer ordentlich aufgetischten Jause am Stammtisch locker verdoppeln könnte. Fünfzig Zuschauer, immerhin. Das ist mehr als die durchschnittliche Sonntagsmesse in manchem Dorf, und die muss wenigstens keine Defensivleistung erbringen.
Gespielt wurde, und das darf man wohlwollend hervorheben, immerhin. Ein gewisser Brandstetter brachte die Auswärtsmannschaft in der vierzehnten Minute in Führung, was angesichts der überschaubaren Zuschauerzahl eine bemerkenswerte akustische Reaktion ausgelöst haben dürfte, vermutlich ein kollektives Räuspern, weil Jubel in dieser Tonlage einfach fehl am Platz wirkt. Dass Kogler in der einundachtzigsten Minute nachlegte, hatte dann schon fast den Charakter einer wissenschaftlichen Erkenntnis: Wer in diesem Land eine Auswärtspartie übersteht, hat sich sein Tor redlich verdient.
Der Ehrentreffer durch denselben Rohrmüller, der zuvor offensichtlich noch auf der anderen Seite des Platzes stehen musste, weil er als Auswechselspieler Nummer zwölf in der Mannschaft geführt wurde, erinnerte dann an jene kategorische Imperativ der heimischen Fußballphilosophie, der da lautet: Ein Heimspiel ohne Tor ist wie ein Wirtshaus ohne Würstel, geht technisch, schmeckt aber nach nichts. Dass der Schiedsrichter am Ende auf fünfzig Zuschauer, zwei Tore und null echte Aufregung zurückblicken konnte, lässt vermuten, dass Herr Rupert Gerstl einen der ruhigeren Samstage seiner Karriere erlebte, was mancher als Erfolg werten mag und mancher als verschwendete Uniform.
Die Aufstellungen lesen sich, als hätte der zuständige Funktionär sein Telefonbuch alphabetisiert und nach Verfügbarkeit sortiert. Hier ein Thoma, dort ein Gál, dazwischen Namen, die klingen wie eine Buchhaltungsabteilung, die spontan beschlossen hat, kollektiv Sport zu treiben. Trainer, die solche Kadernamen mit ernstem Blick vorlesen, beweisen damit vor allem eines: dass der niederösterreichische Amateurfußball ein Biotop ist, in dem Realitätsverweigerung und Sonntagsritual eine Symbiose eingegangen sind, gegen die selbst die hartnäckigste Kuh nichts ausrichten kann.
Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass das Ergebnis nur Nebensache ist. Entscheidend ist, dass irgendwo zwischen Mostviertel und Traisental wieder einmal bewiesen wurde, dass das Wesen des niederösterreichischen Fußballs nicht in Toren liegt, sondern in der Tatsache, dass überhaupt jemand den Platz findet, den Ball findet und die Kraft findet, beides gleichzeitig zu tun. Möge der Sieger die nächste Runde erreichen, möge der Verlierer seine Enttäuschung in Würde in Würstel und Bier umwandeln, und möge Rupert Gerstl auch beim nächsten Mal so tun, als hätte er alles im Griff. Die fünfzig wissen es besser.