Gaudeamus igitur – also fröhlich seid, solange die Mittel reichen. Und weil wir in Österreich bekanntlich nie an Mitteln, sondern stets nur an deren gerechter Verteilung scheitern, feiern wir halt mit 77 Universitäten, 3600 Studienrichtungen und einer Landeshauptfrau pro Bundesland, die sich partout nicht lumpen lassen will. Es ist ja auch viel zu verlangt, dass die Republik einfach zwei, drei leuchtende Türme der Wissenschaft unterhält, wenn doch jeder zweite Bezirk seinen eigenen akademischen Leuchtturm verdient hat.
Die skandinavischen Länder, diese nervig effizienten Vorbilder, haben ihren Hochschulapparat in den letzten zwanzig Jahren behutsam zusammengeschoben. Wir hingegen haben das universitäre Prinzip derart konsequent auf die Fläche gebracht, dass mittlerweile jedes Schloss in ein Seminargebäude umgewidmet werden konnte, ohne dass irgendjemand auf die Idee käme, ein paar Studiengänge zu streichen. Schließlich ist ein Studienangebot, das niemand braucht, immer noch besser als keines. Besonders, wenn die Eröffnungsfeier vom Landeshauptman persönlich mit Kettensäge und Festtagsrede zelebriert wird.
Das Problem ist natürlich, wie immer, der Kuchen. Wenn 77 Institutionen sich um denselben Teig streiten, bleibt am Ende für jeden nur noch eine Krume übrig, und die schmeckt selbst mit Beschluss der Rektorenkonferenz eher nach Magerstufe als nach Exzellenz. Während die skandinavischen Kollegen mit ihren Drittmitteln Drittmittelgeber aus Übersee anlocken, kämpfen unsere Institute um denselben Topf regionaler Sparkassen, und die internationale Konkurrenzfähigkeit verharrt irgendwo zwischen freundlichem Lächeln und höflichem Desinteresse.
Dabei wäre die Lösung so einfach: Man nehme Wien, Linz, Graz, Innsbruck, die Technischen und die Montanuniversität, ergänze das ISTA, das ohnehin bis 2036 goldene Zeiten genießt, und schicke den Rest in eine wohlverdiente akademische Sommerfrische. Stattdessen gießen die Länder weiterhin brav Steuermilliönchen in ihre Privatuniversitäten, weil das Wort „privat“ ja vor allem eines bedeutet: vom Land bezahlt, aber bitte mit klangvollerem Namen.
Die wahre Erlösung kommt dann in Gestalt einer kleinen Budapester Erinnerung. Eine Privatuniversität, die tatsächlich so funktioniert, wie es auf dem Etikett steht, mit Studiengebühren, die sich anfühlen wie eine Hypothek auf das eigene Gehirn, und mit einer Stiftung im Hintergrund, die das Wort „open“ im Namen trägt und dabei so diskret wirkt wie ein Gewitter im Hochsommer. Wenn das kein Modell für die Zukunft ist, was dann.
Was bleibt, ist die schöne Posse um die Rektorengehälter. Da empört sich der Finanzminister über Bezüge, die angeblich jene eines Konzernführers übersteigen, obwohl er als ehemaliger Universitätslehrer eigentlich wissen müsste, dass die Führung einer Institution, die mehr Gremien kennt als Mitarbeiter, durchaus Konzernformat hat. Am Ende wird er die Gehälter kürzen, die Universitäten werden die Studiengebühren erhöhen, und die Landeshauptleute werden eine weitere Fachhochschule eröffnen. Gaudeamus igitur. So soll es sein. Besonders, weil wir so viele sind.