Es ist soweit. Die Steiermark erlebt einen Wetterwechsel. Nicht irgendeinen, sondern einen, der es wert ist, offiziell verkündet zu werden, als handele es sich um die Landung auf dem Mars. GeoSphere Austria, diese ehrwürdige Hüterin der mitteleuropäischen Wolkenverteilung, hat es sich nicht nehmen lassen, die Bürger persönlich darüber in Kenntnis zu setzen, dass der Samstag im Vergleich zu den vergangenen Tagen tatsächlich etwas kühler ausfallen wird. Ein dramaturgisches Meisterwerk der meteorologischen Bescheidenheit.
Dabei klingt die Prognose zunächst nach dem ganz normalen Wahnsinn eines aprilmäßigen Sommerwochenendes. Restwolken von nächtlichen Schauern, die sich im Laufe des Vormittags zunehmend verziehen, also das Übliche. Wer in der Steiermark lebt, weiß: Wenn hierzulande etwas zunimmt, dann die Wolken, die sich verziehen, und die Phasen, in denen die Sonne angeblich ihren Auftritt hat. Letztere sind so verlässlich wie ein Sonnenstich im Schatten.
Doch dann kommt der entscheidende Satz, der einem das Wasser in die Augen treibt. Phasenweise. Die Sonne zeigt sich phasenweise. In allen Teilen der Steiermark. Das klingt weniger nach Wetterbericht und mehr nach Wahlversprechen. Man stelle sich vor, die Sonne würde tatsächlich kommen, lächelnd, in voller Montur, mit ein paar Grad im Gepäck. Stattdessen huscht sie vermutlich kurz hinter einer Wolke hervor, wirft einen flüchtigen Blick auf die Landschaft und verschwindet wieder, weil ihr der Empfang zu ungemütlich ist.
Überhaupt das Bergland. Dort, wo ohnehin schon jeder Wanderer damit rechnet, dass ihm der Himmel auf den Kopf fällt, kann sich tagsüber noch der eine oder andere kurze Schauer entwickeln. Man darf sich das vorstellen wie ein launischer Berggeist, der noch nicht weiß, was er will. Mal nieselt es, mal scheint es, mal nieselt es wieder, weil die Steiermark halt so ist. Trocken bleibt es nur meistens, und meistens ist im Meteorologendeutsch ungefähr das, was Politiker unter mehrheitlich verstehen.
Dann die Temperaturen, das eigentliche Kernstück der Katastrophe. Im Nordwesten werden rund 24 Grad erwartet, was in etwa dem entspricht, was anderswo als laues Lüftchen durchgeht. Der Südosten hingegen klettert auf bis zu 28 Grad, was GeoSphere Austria offenbar für erwähnenswert hält, als handle es sich um die Vorboten der Hölle. Man darf gespannt sein, welche Hitzewelle als Nächstes ausgerufen wird, vermutlich beim Erreichen der 30-Grad-Marke, begleitet von einer Sondermeldung und einem nationalen Krisenstab.
Was lernen wir daraus? Das Wetter in der Steiermark bleibt wechselhaft, die Sonne bleibt phasenweise, und die Meteorologen bleiben phasenweise ehrlich. So gesehen ist der Samstag ein Tag wie jeder andere, nur mit dem kleinen Unterschied, dass er offiziell angekündigt wurde. Wer jetzt noch keine Sonnenbrille, keinen Regenschirm und keinen kühlen Weißwein parat hat, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen. Die GeoSphere Austria hat gesprochen, der Steirer hat verstanden, und die Restwolken ziehen sich höflich zurück, um pünktlich am Sonntag wiederzukommen.