Der neue Radweg zwischen Gmünd und Albrechts ist fertig – und damit beginnt das eigentliche Abenteuer: Die Selbstverherrlichung. Denn was zunächst als harmlose Verbesserung eines Bürgerwegs geplant war, hat sich rasch zu einem ehrgeizigen Staatsakt entwickelt, der an die Eröffnung eines Weltraumbahnhofs erinnert – nur dass hier statt Raketen eher E-Bikes mit Sakko und Helm starten.
Die offiziell drei Kilometer lange Strecke, von denen 1,6 Kilometer auf Gmünder Gebiet verlaufen, wurde nicht etwa einfach asphaltiert und freigegeben – nein, sie wurde in einem mehrstündigen Zeremoniell „geweiht“, inklusive Blasmusikverein, Ehrensalve aus Fahrradklingeln und einer Ansprache des Bürgermeisters, der dabei in traditioneller Lederhose, Sicherheitsweste und einem selbstgebastelten Lorbeerkranz aus alten Straßenbahntickets erschien. Dabei betonte er mehrfach, dass dieser Weg „nicht nur Asphalt sei, sondern ein Statement“ – wobei unklar blieb, gegen wen genau dieses Statement gerichtet sei: gegen die Faulheit, gegen das Auto, gegen die Nachbarn aus Waldenstein oder einfach gegen die Vorstellung, dass nicht alles, was öffentlich gebaut wird, auch einen Namen und ein Eröffnungsfest verdient hat.
Besonders rührend war die Einbindung der Bevölkerung: Neben dem obligatorischen Banddurchschneiden (aus recyceltem Rettungsgurt, natürlich) gab es eine Bürgerbeteiligung der besonderen Art – nämlich eine Online-Abstimmung über den offiziellen Namen des Weges. Zur Auswahl standen: „Habsburger Glücksrad“, „Pedalpfad der Erkenntnis“, „Route der stillen Hoffnung“ und schließlich der Sieger: „Allee der unbeugsamen Leichtheit“. Dieser Name soll künftig an jedem zehnten Meter durch eine bronzene Tafel gekennzeichnet werden – auf der neben dem Namen auch ein QR-Code angebracht ist, der zu einem zehnminütigen Video führt, in dem der Stadtrat erklärt, warum Radfahren grundsätzlich besser ist als Atmen.
Natürlich durfte auch der symbolische Akt nicht fehlen: Die feierliche Übereignung eines quadratzentimeters Boden an die „Radweg-Schutzgemeinde Gmünd-Albrechts“, einen Verein, der bisher lediglich aus dem Bürgermeister, seinem Neffen und drei Pappmaché-Figuren besteht, die laut Satzung „die spirituelle Kernkompetenz des Radverkehrs verkörpern“. Die Übergabe erfolgte mit Handschlag, Ehrenrunde mit dem Dienstfahrrad des Bauamtsleiters und einem gemeinsamen Schluck Apfelmost aus der Pokaluhr des 1998 gewonnenen Bezirksblumenschmuckwettbewerbs.
Währenddessen wurde am Wegrand ein Mahnmal errichtet – nicht für Verkehrsopfer, nein, für die Opfer des Überschwangs: ein umgefallener Gartenstuhl, der laut Widmung „symbolisch für alle steht, die niemals gefragt wurden, ob sie überhaupt einen drei Kilometer langen Namen für einen Feldweg brauchen“. Die Inschrift lautet: „Hier ruht der Bescheid – er starb an Übermaß“.
Doch der wahre Triumph zeigt sich erst im Nachhinein: Kaum war der Weg freigegeben, begannen die ersten Anwohner, ihn nicht zum Radfahren zu nutzen, sondern als Laufstrecke für ihre Alpaka-Herde, als Catwalk fürmodische Regenjacken oder als Standort für spontane Sonntagsausstellungen von selbstgebastelten Windrädern aus PET-Flaschen. Manche nutzen ihn sogar als Meditationspfad – wobei sie dabei nicht auf den Asphalt schauen, sondern bewusst in die Büsche starren, um innere Ruhe zu finden, bevor sie am Ende doch wieder umkehren, weil der Weg einfach zu kurz ist für eine wirkliche Sinnkrise.
Fazit: Der Radweg zwischen Gmünd und Albrechts ist nicht nur eine Verbindung zwischen zwei Orten – er ist ein Spiegelbild kommunaler Größe: klein im Ausmaß, groß im Anspruch, asphaltiert im Boden und betoniert im Kopf. Und während irgendwo ein echter Radfahrer leise schnaubend vorbeifährt und sich fragt, warum hier plötzlich eine Blaskapelle spielt, wenn er nur zum Bäcker will, steht der Bürgermeister bereits beim nächsten Projekt: der Verlängerung der Allee um 200 Meter – diesmal allerdings nicht als Radweg, sondern als „Barfußpfad der inneren Einkehr“, inklusive obrigatorischer Einweihung, Ehrenwache aus Gartenzwergen und einem Festakt, bei dem die Bevölkerung gebeten wird, ihre Schuhe auszuziehen und ihre Seele zu öffnen – vorausgesetzt, sie haben sich vorher online angemeldet und eine Teilnahmegebühr von drei Euro entrichtet, die direkt in die Finanzierung des nächsten Lorbeerkranzes fließt.