Es klingt fast schon nach einem Drehbuch, das in einem Ministerium im Akkord geschrieben wurde: Athen verschenkt Geld. An alle. An Pensionisten, an Beamte, und zwar so selbstverständlich, als hätte jemand die staatliche Gelddruckerei endlich auf „familienfreundlich“ umgestellt. Sogar die Zahl 400 hat man gewählt, wohl weil 350 zu wenig gewesen wäre und 450 verdächtig nach einem Geheimnis aussehen. Beamte bekommen sogar 500, vermutlich als kleine Entschädigung dafür, dass sie in der Hitze der Debatte nicht in Ohnmacht fallen.
Wichtig dabei: Es geht um 2027. Ein Jahr, das in der politischen Zeitrechnung so weit weg liegt wie die nächste Sonnenfinsternis über dem Balkan. Das schafft Raum für eine besonders elegante Form der Staatsführung, die man in Fachkreisen als „großzügiges Versprechen mit Lieferdatum Postkutsche“ bezeichnet. Es ist die Art von Politik, bei der die Rechnung im Kalender versteckt wird, in der Hoffnung, dass der Bürger bis dahin vergessen hat, dass es je eine Rechnung gab.
Volumen: 2,2 Milliarden. Das klingt erst einmal nach einer stolzen Summe, ist aber ungefähr so beeindruckend wie der Versuch, einen Swimmingpool mit einer Gießkanne zu füllen. Man stelle sich vor, das gesamte Wirtschaftsleben eines Landes soll mit einem Prozent auf Trab gebracht werden, einer Zahl, die in Statistiken so auftaucht wie das Kleingeld in der Hosentasche: theoretisch vorhanden, praktisch bedeutungslos. Es ist, als würde ein Marathonläufer verkünden, er habe sich ein neues Paar Socken gegönnt.
Pensionisten bekommen die 400 Euro als jährliche Sonderzahlung, also im Schnitt 33 Euro und ein paar zerquetschte Cent im Monat. Das ist genau der Betrag, bei dem man sich entweder einen schönen Abend im Taverna oder einen besonders langen Spaziergang am Meer gönnen kann. Die Wahl zwischen Genuss und Gesundheit bleibt dem Bürger überlassen, was in Athen als liberale Errungenschaft gilt und in der restlichen EU als Haushalts-Akupunktur.
Beamte erhalten 500 Euro, vermutlich weil sie ohnehin schon wissen, wo die Formulare liegen. Sie müssen also kein Geld ausgeben, um es zu finden, sondern dürfen es direkt unter dem Kopfkissen verstecken, falls die staatliche Datenbank mal wieder einen freien Tag hat. So entsteht eine wunderbare Symmetrie: Diejenigen, die den Staat am besten kennen, werden für ihr Wissen belohnt. Das ist fast so elegant wie ein Stammtisch, der sich selbst Freibier spendiert.
Was bleibt, ist die Hoffnung, dass auch in Wien, in Berlin und in Brüssel jemand das Konzept kopiert. Nicht das Geld, das wäre ja vermessen. Aber die Idee, dass man jedes Jahr eine neue, fantasievolle Sonderzahlung erfinden kann, die groß klingt, klein ist, und in der Bevölkerung sofort als historischer Wendepunkt gefeiert wird. Bis 2027 bleibt also Zeit, noch ein paar Zahlen zu erfinden, die klingen wie ein Versprechen und sich anfühlen wie ein Gutschein für die nächste Wahl.