Man stelle sich die Szene vor: Ein neuer Hallenboden wird übergeben, als handle es sich um die Erstbesteigung des Mount Everest im Morgenmantel. Funktionäre stehen Spalier, jemand hält eine kleine Schere in der Hand, und der frischeste Parkettduft Niederösterreichs liegt in der Luft. Die heiße Phase der Saisonvorbereitung kann beginnen, denn ohne offizielle Schlößübergabe ist ein Trainingsbetrieb offenbar juristisch nicht haltbar. Wäre ja noch schöner, wenn jemand einfach ein paar Körbe wirft, bevor ein Verwaltungsakt vollzogen ist.
Natürlich wurde während der Sommermonate intensiv gearbeitet. Intensiv. Das darf man sich bildlich vorstellen: Männer in orangen Westen schleifen Holz, messen Winkel, prüfen Linien mit einer Hingabe, die man sonst nur von Uhrmachern in der Wiener Innenstadt kennt. Der Happyland, dieser Hort der Freude, hat ein neues Parkett bekommen, und wer je einen Sportverein von innen gesehen hat, weiß: Das ist kein Bodenbelag, das ist eine Staatsangelegenheit. Es wird gerungen, gerechnet, geplant, und am Ende steht ein Stück Holz, auf dem man rebounden darf. So sieht Fortschritt aus.
Die Dukes und die Duchess, diese stolzen Karbon-X- und Raiffeisen-Repräsentanten, stehen nun also da, wo vorher schon stand, aber jetzt mit besserem Untergrund. Jahrelang haben sie trainiert, als gäbe es kein Morgen, und vermutlich haben sie dabei den ein oder anderen Sprunggelenksschaden davongetragen, der sich bei näherer Betrachtung als Trainingsbedingung herausgestellt hätte. Aber gut, jetzt ist die Bahn frei, der Boden ist neu, die Latte liegt hoch, und die Messlatte liegt quer, weil man sie noch nicht an die Wand gehängt hat.
Was bleibt einem da als Außenstehender? Man könnte natürlich fragen, ob die freudige Übergabe auch jene Sportler erfreut, die seit Jahren in Hallen trainieren, deren Ausstattung an eine mittelalterliche Folterkammer erinnert. Andere schuften auf Linoleum aus den Neunzigerjahren, das bei jeder Drehung einen akustischen Hilferuf ausstößt. Aber solche Vergleiche wären kleinlich. Hier geht es um Größe, um Ritual, um jene Feierlichkeit, die entsteht, wenn Verwaltung und Sport sich vermählen.
Überhaupt ist das ein faszinierendes Zusammenspiel. Da wird also ein Hallenboden übergeben, als wäre er ein Staatsvertrag, und alle posieren, als hätte man den Sozialstaat neu erfunden. Währenddessen warten Eltern am Spielfeldrand, Mütter stricken schlecht, Väter nicken weise, und ein Kind fragt leise, ob es bald auch auf dem neuen Boden dribbeln darf. Antwort: Ja, aber erst nach der offiziellen Fotozeremonie, die noch zwei Reden, ein Buffet und ein Liedzitat entfernt ist. Die heiße Phase der Saisonvorbereitung, möge sie gnädig sein.
Und so beginnt also die Saison, wie jede Saison beginnt: mit einem frischen Boden, alten Versprechen und dem unerschütterlichen Glauben, dass ein neuer Hallenboden auch neue Tabellenstände heraufbeschwört. Die Dukes werden dribbeln, die Duchess werden werfen, und der Happyland wird seinem Namen alle Ehre machen, solange niemand den neuen Boden mit Straßen schuhen betritt. Möge das Parkett lang leben, mögen die Knie heil bleiben, und möge irgendjemand irgendwann auch die Glühbirne in Kabine drei austauschen, aber das ist eine andere Geschichte, die vermutlich erst nach der nächsten offiziellen Übergabe erzählt wird.