Friesach, eine Stadt, die für ihre mittelalterliche Stadtmauer berühmt ist und sonst eher ungern auffällt, hat jetzt ein neues Heilmittel: Kunst. Genauer gesagt dreizehn Damen und ein Johann, die im Verein mit dem grotesk punktierten Namen eine Ausstellung in einem Spital planen. Das Motto lautet Humormedizin, also die kühne Idee, Krankheit, Gesundheit und den allgegenwärtigen Spitalsgeruch von Desinfektionsmittel mit Pinsel und Witz zu kurieren. Sollte das funktionieren, kann man in Zukunft die Wartezimmer abschaffen und durch Galerien ersetzen, in denen ein freundlicher Aquarell die Diagnose stellt.
Der Verein arbeitet offenbar nach dem Prinzip: Wenn die Medizin nicht weiter weiß, wird gemalt. Die Damen und der Herr sitzen im Atelier in der Herrengasse, tauschen sich beim Kaffee über Formbarkeit und Eigenleben des Tons aus und reden so tiefgründig über Pinselstriche, dass einem fast schwindlig wird. Eine Mitgliederin erschafft Figurinen, als wäre sie die letzte Tonschöpferin eines untergehenden Reiches, eine andere schwärmt vom Aquarell, als wäre es die einzige ehrliche Konfession in einer Welt der Oberflächlichkeit. Nebenbei hängen Aphorismen an der Wand, vermutlich auf Schleudersatz getrimmt, damit der Betrachter beim Lesen gleichzeitig das Auge, das Gehirn und die Wirbelsäule beansprucht.
Die wagemutigste Diagnose stellt allerdings die Ausstellungsleitung selbst. Sie verspricht Humor im Krankenhaus, also ausgerechnet dort, wo man normalerweise Humor nur in Form von Stationsarzt-Witzen erlebt, die niemand hören will. Humormedizin, das klingt nach einer Therapieform, die Krankenkassen in Zukunft sicher gerne übernehmen, sofern man die richtige Pinselnummer in den Heilmittelkatalog aufnimmt. Stell dir vor, du kommst mit einem gebrochenen Zeh in die Notaufnahme, und die Erstbehandlung besteht aus einem Aquarell mit der Aufschrift Lachen ist die beste Medizin. Vermutlich hilft es mehr als der dritte Warteraumkaffee.
Natürlich fehlt auch das passende Rahmenprogramm nicht. Man lerne bei Profis, lasse sich von Wiener und Kärntner Künstlern inspirieren und übe sich in jedem erdenklichen Stilmittel, vom Linolschnitt bis zur Acrylmalerei. Das klingt verdächtig nach einem Bildungssystem für Erwachsene, die in der Schule nicht aufgepasst haben und es jetzt mit Pinsel nachholen. Einer geht sogar den riskanten Weg der Acrylmalerei, was in Künstlerkreisen fast schon einer politischen Grundsatzerklärung gleichkommt. Im Ernst, wenn man schon jahrelang in einem Atelier sitzt, Kaffee trinkt und malt, dann sollte man diese Zeit wenigstens mit einer echten Idee krönen, und die Idee hier lautet: Das Spital muss lachen, sonst war alles umsonst.
Am Ende steht eine Ausstellungseröffnung im Spital, bei der vermutlich mehr Kunstwerke an der Wand hängen als Patienten in den Betten liegen. Das Spital darf sich auf eine Welle der Heiterkeit freuen, die durch seine Gänge rollt, flankiert von Damen mit Pinsel und einem Johann, der irgendwo im Hintergrund die Acryl-Ehre der Geschlechter verteidigt. Friesach hat seine Burgfestspiele, seine Stadtmauer, seine Polizei im gelben Haus, und jetzt auch eine Kunstbewegung, die das örtliche Gesundheitswesen mit einem Lächeln heilt. Sollte die Medizin dagegen einwenden, dass Lachen allein keine Knochen heilt, darf man getrost widersprechen: In Friesach schon, dort wird derzeit alles gemalt, sogar die Realität.