Man stelle sich vor: Irgendwo zwischen Feldkirchen und St. Veit, also ungefähr dort, wo das Navi aufgibt und die Kuh zur Orientierung wird, tut sich was. In Zweinitz, einem Ort, der bisher vor allem durch seine Fähigkeit aufgefallen ist, auf keiner Landkarte zu stehen, entstehen sechs Reihenhäuser. Das klingt erst einmal nach dem langweiligen Standardprogramm österreichischer Kommunalpolitik, ist aber in Wahrheit ein Dreiklang der Superlative: Bund, Land und Gemeinde machen gemeinsam etwas. Man könnte fast meinen, es handle sich um eine Art Verwaltungswunder, vergleichbar mit einem Sonnenstich im Jänner oder einem verständigen Schiedsrichter in der Bundesliga.
Die Beteiligten sind sichtlich gerührt. Der Bürgermeister erklärt, man wolle zusammenarbeiten, die Gemeinde stelle den Grund, das Land die Expertise, der Bund das Geld, und alle zusammen offenbar die Geduld. Wer in Weitensfeld wohnt, weiß: Geduld ist ohnehin die wichtigste Ressource. Ohne Geduld übersteht man weder die Wirtshausdiskussion über die Parkplatzordnung noch das Warten auf den Bus, der theoretisch zweimal täglich kommt und praktisch ein Mythos ist wie das Einhorn.
Nun also Beton. Massivbauweise, Vollwärmeschutz, Fußbodenheizung über Fernwärme, Photovoltaik auf dem Dach, also alles, was man braucht, um das Gewissen zu beruhigen und gleichzeitig die Stromrechnung an die Enkel weiterzureichen. Nachhaltigkeit nennt man das, wenn man den Leuten erklärt, warum ein Reihenhaus 325.000 Euro kostet, als wäre das ein Schnäppchen und kein persönliches Immobilientrauma. Pro Quadratmeter gibt es 1.000 Euro nicht rückzahlbare Förderung, was ungefähr der Logik entspricht, dem Wirt das achte Bier zu schenken und sich dann zu wundern, warum er trotzdem noch traurig schaut.
Der Clou an der Geschichte ist freilich die Reihenfolge. Man bewirbt das Projekt, dann verkauft man, dann beginnt man zu bauen, und irgendwann, vermutlich nachdem einige Sternschnuppen verglüht sind, gibt es eine Übergabe. Ende 2028 heißt es offiziell, also dann, wenn die Kinder, für die die Häuser gedacht sind, bereits konfirmationsreif sind und sich fragen, warum Mama und Papa eigentlich schon so lange in einer Wohnung leben, in der das Bad gleichzeitig als Kinderzimmer dient. Man will vor allem junge Familien erreichen, was in einer Gemeinde ohne freie Wohnungen ungefähr so einfach ist wie ein Date in der Fastenzeit.
Das Schönste ist jedoch die Begründung, warum ausgerechnet Zweinitz auserkoren wurde. Es gibt ein Café, ein Wirtshaus, und man ist schnell in Feldkirchen oder St. Veit. Das sind dieselben Argumente, mit denen seit Jahrzehnten jeder Kärntner Ort wirbt, der weniger als 200 Einwohner hat und trotzdem glaubt, die Welt müsse zu ihm kommen. Die Latte liegt tiefer als der Wasserstand im Gurktal im August.
Am Ende steht das übliche Verwaltungsballett: Homepage, Gemeindezeitung, regionale Werbung, Infoabend, Hoffnung, Baustart irgendwann, Fertigstellung irgendwann später. Sechs Häuser, sechs Parteien Hoffnung, eine Gemeinde, die sich feiert, als hätte sie den Mond gebucht, und ein Bürgermeister, der die Bühne bekommt, die er verdient. Kärnten bleibt Kärnten, Weitensfeld bleibt Weitensfeld, und der Bund hat seine Milliarde sinnvoll verteilt. Zumindest steht jetzt ein Bauzaun, und das ist in der Provinz schon die halbe Miete.