Es gibt Nachrichten, die liest man und denkt sich sofort: endlich macht jemand seinen Job. In Innsbruck hat ein 31-jähriger Mann in der Nacht auf Freitag bewiesen, dass die Polizei eigentlich überflüssig ist, sofern man nur die richtigen Leute mit den richtigen Beinen zur richtigen Zeit am richtigen Ort hat. Ein 25-jähriger Mann hatte Gäste in einem Lokal angepöbelt, was in Innsbruck in etwa so selten vorkommt wie ein Skilehrer, der im Sommer eine Auszeit nimmt.
Was genau das Pöbeln war, weiß niemand so genau. Vielleicht war es die Lautstärke, vielleicht die Themenwahl, vielleicht ein besonders kreatives Schimpfwort auf Türkisch, das im Übersetzen einfach an Charme verliert. Sicher ist nur, dass es gereicht hat, um einen anderen Mann derart in Wallung zu bringen, dass dieser kurzerhand beschloss, den Disput mit dem ältesten Argument der Menschheitsgeschichte zu beenden. Ein Fußtritt gegen den Kopf. Kurz, schmerzhaft, eindeutig. Die Körpersprache des 31-Jährigen erinnerte dabei entfernt an einen Fußballer, der den Ball verpasst und dann halt das nächstbeste tritt.
Der 25-Jährige wurde mit einer Kopfverletzung in die Innsbrucker Klinik gebracht, wo man ihn wahrscheinlich mit der üblichen Mischung aus professioneller Routine und leichter Verwunderung empfing. Es ist nicht so, dass die Notaufnahme dort unterbeschäftigt wäre, aber es kommt selten vor, dass die Diagnose so präzise zur Einlieferung passt. Kopfverletzung durch Fußtritt. Kein Sturz, kein Unfall, keine Ausreden. In einer Zeit, in der die Menschen bei jedem Stolpern über ein Kabel gleich einen Rechtsanwalt einschalten, hat hier jemand einfach hingelangt und die Sache auf den Punkt gebracht.
Die Polizei ermittelt nun, was an dieser Stelle bedeutet, dass man ein paar Formulare ausfüllt, ein paar Zeugen befragt und am Ende eine Anzeige wegen Körperverletzung auf den Tisch legt, die in etwa so viel bewirkt wie ein Prosit auf der Wiesn nach dem zwölften Bier. Man kennt das Procedere. Es ist so österreichisch wie das Krampus-Ranlassen im November: viel Tamtam, am Ende kriegt jeder einen, und keiner hat wirklich etwas gelernt.
Was die Sache aber wirklich interessant macht, ist die gesellschaftliche Komponente. Während in Talkshows Woche für Woche darüber diskutiert wird, wie man nächtliche Ruhestörungen in den Griff bekommt, wie man Pöbeleien vor Lokalen verhindert, wie man Sicherheit im öffentlichen Raum herstellt, hat ein einfacher Mann mit einem einfachen Tritt die gesamte Problematik in eine einzige Geste komprimiert. Kein Sicherheitsgipfel, kein runder Tisch, kein Förderantrag. Ein Bein, ein Kopf, ein Fall für die Klinik. Effizienz, von der die Ministerialbürokratie nur träumen kann.
Natürlich wird man den Mann jetzt verurteilen, was auch richtig ist, denn Gewalt ist nie eine Lösung, außer man ist Tennisspieler und der Ball ist im Aus. Aber man sollte ihm zugutehalten, dass er in einer Nacht, in der andere noch überlegen, ob sie den Sicherheitsdienst rufen, gleich die Notaufnahme informiert hat. In Innsbruck nennt man das offenbar Eigeninitiative. Die Anrainer rund um das betroffene Lokal werden ihm stillen Applaus spenden, denn für ein paar Sekunden war es tatsächlich leise. Und das, liebe Leser, ist in dieser Stadt fast schon ein Wunder.