Es gibt Sätze, die müssen einfach fallen, sonst funktioniert das System nicht. Einer davon lautet: Wir wollen diese schwere Zeit überstehen. Wer das sagt, der hat sie noch nicht überstanden, aber immerhin schon die passende Plakatphrase gefunden. In einem Gespräch, das offenbar deshalb stattfand, damit man danach sagen kann, es habe stattgefunden, kündigt ein Geschäftsführer an, weiterzumachen. Das ist ungefähr so mutig wie ein Hund, der zuschnappt, wenn man ihm den Napf hinstellt, nur dass hier der Napf die Insolvenz ist und der Hund das Management.
Das Schöne an solchen Auftritten ist die Beiläufigkeit, mit der das Wesentliche verschluckt wird. Da wird der Rückzug des Sanierungsplans in Münchendorf erwähnt, als hätte jemand eine Einladung zur Hochzeit zurückgezogen, weil die Tante aus Linz doch keine Sahnetorte bringt. Ein Plan ist weg. Das klingt dramatisch, wird aber im Satz gleich wieder eingebettet in Worte wie Team und wollen und gemeinsam, dieses berühmte Vokabular, mit dem man in Österreich seit jeher versucht, betriebswirtschaftliche Realitäten in ein gemeinsames Frühstück zu verwandeln.
Dann die Reaktionen der Kunden. Man stellt sich das so vor: Tausende Briefe, empörte Mails, ein Sturm von Anrufen, vielleicht sogar einer, der droht, nie wieder etwas zu bestellen. Vermutlich melden sich aber vor allem jene, die noch eine offene Rechnung haben und jetzt überlegen, ob sie das Geld lieber in eine gute Halspastille investieren. Jedenfalls wird betont, dass man die Sache ernst nehme. Ernst nehmen ist in solchen Lagen das neue Liefern.
Besonders rührend ist der Verweis auf die kommenden Wochen. Wochen, die kommen wollen, ob man will oder nicht. Das ist die österreichische Version von Wettervorhersage im Krisenmodus. Es wird wolkig mit Aussicht auf Verhandlungen, vereinzelt geht ein Gläubiger unter, und am Abend sinken die Zinsen leicht. Die Mitarbeiter hören das natürlich mit und gehen nach Hause mit dem Gefühl, dass man sich kümmert, was im Grunde das Mindeste ist, aber eben auch das, was man am lautesten erzählen kann, wenn das meiste andere fehlt.
Man darf sich fragen, warum solche Auftritte überhaupt stattfinden. Vermutlich, weil Schweigen teurer wäre. Wer schweigt, hat verloren, wer spricht, hat wenigstens eine Schlagzeile. Also spricht man, setzt einen Satz in die Welt, der nichts kostet und alles verspricht, und nennt das Verantwortung. Ein Geschäftsführer, der die schwere Zeit überstehen will, ist das Pendant zum Bergsteiger, der vor dem Gipfel umkehrt und erzählt, er habe die Bedingungen geprüft.
Am Ende bleibt das Bild eines Mannes, der sich selbst als Wetterbericht seiner eigenen Firma versteht. Vorne etwas Sonne, hinten Gewitter, und die Meteorologie heißt in diesem Fall Hoffnung. Man übersteht nichts, indem man es überstehen will, aber man kann wenigstens so tun, und das ist in der österreichischen Wirtschaftslandschaft oft schon die halbe Miete. Die andere Hälfte zahlt ohnehin der Steuerzahler, irgendwann, irgendwo, mit einem Achselzucken, das man hierzulande für Gelassenheit hält.