Kärnten also. Kaum hat der September begonnen, tut die Natur so, als hätte sie die Einladung zum Sommerabschied schlicht verloren. Stattdessen wird noch einmal aufgedreht, was das Zeug hält. 31 Grad, heißt es, seien drin, und das ausgerechnet in einem Bundesland, das sich sonst mit grantigen Nebelschwaden und dem hartnäckigen Gerücht, dass die Sonne in Wien anders scheint, über die Runden rettet. Man darf sich das vorstellen wie einen Gast, der auf einer Gartenparty partout nicht gehen will, obwohl die Gastgeberin die Gießkanne demonstrativ abstellt. So ungefähr liest sich die Wetterlage, nur dass die Gastgeberin hier der Kalender ist und die Gießkanne der gesunde Menschenverstand.
Aus fachkundiger Richtung verlautet, es sei "außergewöhnlich warm" für Anfang September. Das ist die meteorologische Variante von "ungewöhnlich" wie der Kaffee, den der Kollege in der Kaffeetasse vergisst, weil er glaubt, es sei erst Mittwoch, obwohl es bereits Freitagnachmittag ist. Irgendwer hat den Sommer nicht abgemeldet, und nun steht er halt da, mit Sonnenbrille und Badelatschen, mitten in der Eingangstür zum Herbst.
Am Samstag naht dann das, was die Fachleute eine "schwache Kaltfront" nennen, was ungefähr so bedrohlich klingt wie ein Kater, der mit sich selbst hadert. Sie "streift" Kärnten, sagt man, also sie kommt vorbei, schaut kurz herein, zieht eine Augenbraue hoch und verschwindet wieder, bevor jemand die Tür richtig aufgemacht hat. Dazu gibt es Quellwolken, harmlose wie die, die in der Sitzung auftauchen, in der man ohnehin schon eingeschlafen ist, und "lokale, teils gewittrige Schauer", was übersetzt in etwa heißt: irgendwo regnet es kurz, und es fühlt sich trotzdem an wie zu trocken.
Wer jetzt glaubt, damit sei die Sache erledigt, hat die Rechnung ohne den Sonntag gemacht. Der nämlich präsentiert sich erneut von seiner sonnigen Seite, als wäre er auf einer Casting-Show fürs schönste Wetter des Quartals. Frühnebelfelder lösen sich auf, als hätte man sie persönlich beleidigt, und am Nachmittag schippern ein paar Quellwolken über den Himmel, die so harmlos sind, dass sogar die Meteorologen sie nicht weiter beachten würden, würden sie nicht dafür bezahlt, jeden Wattebausch am Firmament einzeln vorzustellen. 25 bis 29 Grad, Tiefstwerte im einstelligen Bereich, und das alles in einer Zeit, in der anderswo Leute bereits darüber diskutieren, ob man im Büro schon eine Decke braucht.
Die eigentliche Frage ist natürlich, was das alles soll. Ist es ein Trick der Atmosphäre, um den Kärntnern den ohnehin schon legendären Sommerurlaub gleich um drei Wochen zu verlängern? Eine meteorologische Solidaritätsaktion mit dem Tourismusverband, der sich nach dem Sommerloch die Finger wund klickt? Oder einfach nur ein weiteres Kapitel in der langen Reihe von Dingen, die in Österreich passieren, weil offenbar niemand zuständig ist und gleichzeitig alle. Man weiß es nicht. Man wird es vielleicht am Montag erfahren, wenn entweder der Frost einbricht oder das Land weiterhin in einer Art kollektiven Sonnenstich verharrt.
Sicher ist nur: Wer jetzt noch die Winterreifen montiert, ist selbst schuld. Oder Prophet. Oder beides. In Kärnten bleibt es jedenfalls warm, bis jemand der Sonne offiziell mitteilt, dass sie gehen darf. Und wer das sein wird, ist völlig offen. Wahrscheinlich niemand.