Kärnten hat im heurigen Sommer 112.818 Blitze über sich ergehen lassen und landet damit im bundesweiten Ranking auf Platz vier, also genau dort, wo es auch beim Kochen, beim Skifahren und bei der Selbstwahrnehmung steht: solide, aber von der Steiermark deklassiert. Die Steiermark schlägt mit über 228.000 Entladungen dermaßen heftig zu, dass die Kärntner Zahlen daneben wirken wie ein müdes Sommergewitter über dem Wörthersee, bei dem die Couchpolster höchstens einmal vibrieren.
Im Landesamt für stolze Statistik hat man die Hiobsbotschaft trotzdem sofort in eine Erfolgsmeldung umgegossen. Kärnten sei Spitzenfeld, verlautbart die zuständige Abteilung mit der Routine eines Hoflieferanten, der aus der verpatzten Suppe eine Delikatesse kocht. Dass Spitzenfeld in Wahrheit bedeutet, vierter von neun zu sein, wird im internen Sprachgebrauch konsequent verschwiegen, denn Verwaltung lebt davon, Rang vier klingen zu lassen wie der Sturz eines Kaisers vom Thron, nur in umgekehrter Richtung.
Dabei war der Sommer 2026 in ganz Österreich eine meteorologische Sparvariante. Nur gut 840.000 Blitze, ein Drittel weniger als üblich, was die zuständige Wetterbehörde mit der gleichen Begeisterung vermeldet wie ein Mineralwasserproduzent einen Dürresommer. Weniger Blitz heißt in der offiziellen Lesart weniger Chaos, weniger versengte Heurige, weniger Landwirte, die auf dem Hof sitzend philosophisch werden. In Wahrheit heißt es nur, dass die Natur heuer auf den großen Auftritt verzichtet hat und sich stattdessen mit regionalen Schauern begnügte.
In Kärnten verlief die Saison besonders tückisch, weil sie vorgibt, normal gewesen zu sein. Der Juni startete noch furios, der Juli tat so, als hätte jemand den Stecker gezogen, und der August lieferte zum Schluss das statistische Aufholen, das jede ausgefallene Party rettet. Das Land durfte also einmal richtig blitzen, dann lange höflich schweigen und dann doch noch ein fulminantes Finale hinlegen, was entfernt an die Karriereplanung mancher Landespolitiker erinnert.
Ein besonders findiger Tourismusverantwortlicher hat aus der Not bereits eine Tugend gemacht und will die Saison 2027 als das Jahr des kontrollierten Blitzes vermarkten. Geplant sind ein Blitz-Festival am Wörthersee, ein kulinarisches Menü rund um die Gewitterküche sowie eine eigene Lichtinstallation, die pro registriertem Entladungsblitz ein Glühwürmchen mehr blinken lässt. Die Steiermark wurde höflich eingeladen, sich als Ehrengast die Augen zu blitzen, und die Wetterexperten durften erklären, warum ein Blitz eigentlich nichts anderes ist als eine besonders ehrliche Form der steirischen Begrüßung.
Die Kärntner Landesregierung hat unterdessen eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die klären soll, wie man im nächsten Sommer mindestens 120.000 Blitze herbeiführt. Vorgeschlagen wurden unter anderem das Aufstellen besonders provokativer Wahlplakate an Wetterscheiden, das Verlegen von Starkstromkabeln direkt in den Himmel und die erneute Einladung des Bundespräsidenten zu einem Betriebsausflug im Freien. Sollte alles scheitern, bleibt als letzte Option die bewährte Methode, einfach die Statistik zu korrigieren, bis Platz zwei draus wird.
Am Ende bleibt die beruhigende Erkenntnis, dass Kärnten auch im Gewitter-Jahr 2026 bewiesen hat, wofür es seit Jahrhunderten bekannt ist: konsequent mittelfeldtauglich zu sein, ohne dabei den Charme der Mittelmäßigkeit zu verlieren. Die Steiermark mag mehr Blitze haben, aber bitte sehr, wer will schon in einem Bundesland leben, das statistisch gesehen ständig unter Starkstrom steht.