Vierundzwanzig Stunden, bevor die Republik auch nur aufgestanden ist, steht in Kärnten bereits fest, dass der Tag gerettet ist. Zwei Dutzend junge Menschen haben sich in die Fänge des Landesdienstes begeben, jener Institution, die es seit Jahrzehnten versteht, jeden Nervenkitzel einer Behördenwarteschlange in eine lebenslange Berufung umzudeuten. Sie werden Verwaltungsassistent, Labortechniker, Koch oder Landschaftsgärtner, also exakt die Berufe, bei denen man später mit Stolz erklären kann, dass man das System zwar nicht repariert, aber wenigstens gut bewässert hat.
Der feierliche Empfang geriet erwartungsgemäß zur Mischung aus Ministrantenweihe und Motivationskirtag. Der Landeshauptmann persönlich legte die Hand auf die Schultern der neuen Lehrlinge und spendete Sätze, die in keinem Kalender der Bürokratie fehlen dürfen. Mut, Selbstwert, eigene Weg, ambitionierte Ziele, gestaltend und prägend für ein großartiges Kärnten. Wer bei dieser Wortdichte noch aufrecht stehen kann, hat die Aufnahmeprüfung in den öffentlichen Dienst schon bestanden, bevor der erste Aktenstapel überhaupt das Licht der Welt erblickt hat.
Besonders rührend war der Programmpunkt, in dem über die aktuellen Entwicklungen der Demokratie weltweit diskutiert wurde, und zwar mit jungen Menschen, die gerade erst gelernt haben, dass der Kopierer im zweiten Stock manchmal Papier frisst. Danach gewährte der Landeshauptmann Einblicke in seinen Werdegang vom Rettungsfahrer bis zum obersten Repräsentanten des Landes, was entweder eine klassische Aufstiegsgeschichte ist oder der beste Beweis dafür, dass in Kärnten auch ohne Plan Karriere möglich ist, solange man den Dialekt nicht verliert.
Parallel dazu erklärte der zuständige Landesrat, warum die Lehre überhaupt erfunden wurde, nämlich damit die Betriebe endlich wieder jemanden bekommen, der noch nicht so aussieht wie der Durchschnitt der Belegschaft. Flexible Arbeitszeitmodelle, Betriebskindergarten, betriebliche Gesundheitsförderung, Digitalisierung, alles wurde ausgepackt, als handle es sich um ein Buffet, bei dem die Gäste noch wählen dürfen, in welcher Reihenfolge sie die Hängematte betreten wollen. Dass eine Lehre im Landesdienst vor allem bedeutet, Formulare zu sortieren und Sitzungen zu protokollieren, bis die innere Uhr auf Behördenzeit tickt, gehört zu den Erfahrungen, die man offenbar erst im Laufe der nächsten drei Jahre macht.
Eine Trainerin für Persönlichkeitsentwicklung führte die neuen Kolleginnen und Kollegen durch einen Workshop, der zum fünften Mal stattfand, was entweder eine bewährte Tradition oder der Beweis dafür ist, dass sich am Landespersonal seit fünf Auflagen kaum etwas geändert hat. Es ging um Außenwirkung, Kommunikation und Umgangsformen, also um jene Dinge, die im Behördenalltag spätestens ab dem zweiten Dienstjahr von der Realität überholt werden, sobald ein Bürger mit einem Anliegen kommt, das nicht in die vorgefertigten Formulare passt.
Am Ende stehen 22 junge Menschen, 15 mögliche Lehrberufe und rund 100 Lehrlinge, die derzeit insgesamt im Landesdienst ausharren, was statistisch gesehen bedeutet, dass in Kärnten bald auf jeden Gemeindebürger ein halbes Verwaltungsversprechen kommt. Die neuen Lehrlinge haben damit nicht nur einen Job, sondern auch das Recht erworben, bei jeder Familienfeier feierlich zu erklären, sie seien Teil eines attraktiven Arbeitgebers, der sie mit Mut, Selbstwert und einem Betriebskindergarten durchs Leben trägt. Was danach kommt, werden sie spätestens beim ersten Formular merken, das in dreifacher Ausfertigung verlangt wird und nur in der Landesfarbe Beige zur Verfügung steht.