Es gibt Menschen, die verlieren mit Anmut, und es gibt Menschen, die verlieren mit Pressekonferenz. Zeljko Karajica gehört offensichtlich zur zweiten Kategorie, denn statt einfach die Klappe zu halten und die 0:7-Häme über sich ergehen zu lassen, hat er sich hingesetzt und ein Manifest der fröhlichen Untergangslyrik verfasst. Sein sehnlichster Wunsch für den kommenden Samstagabend ist nicht etwa ein Tor, ein Sieg oder ein unentschiedenes Resultat, nein, er wünscht sich, dass die Partie „so lange wie möglich offen“ bleibt. Das klingt erst einmal beruhigend, offenbart aber bei näherer Betrachtung ein gewisses Vertrauensdefizit in die eigene Hintermannschaft, das man in Klagenfurt vermutlich als „sportliche Demut“ verkauft.
Besonders rührend ist die Rechnungsführung rund um die Zuschauerzahl. Man rechnet fest mit 5000 Seelen im Stadion, alles darüber ist „Bonus“ und „würde uns extrem freuen“, als handle es sich um ein besonders opulentes Jausenbrettl und nicht um ein Fußballspiel. Die Wiener schicken 1000 Fans, der Rest füllt sich angeblich mit heimlichen Rapid-Anhängern aus Kärnten auf, weil es dort angeblich „viele Rapid-Fans gibt“. Eine Behauptung, die in etwa so überraschend kommt wie die Erkenntnis, dass Wasser nass ist und Schiedsrichter im Wörthersee Stadion gerne Gelbe Karten verteilen, wenn der Wind aus Osten weht.
Dann der philosophische Teil. Früher Bundesliga, jetzt Regionalliga, und die Frage, wie schwer das fällt. Die Antwort ist eine Mischung aus buddhistischer Gelassenheit und der stoischen Ruhe eines Mannes, der weiß, dass sein Karma gerade einen Zehnkampf absolviert. „Ohne es zu akzeptieren, bräuchtest du erst gar nicht loszulaufen“, sagt er, als wäre Abstieg eine Yogaübung und nicht das sportliche Äquivalent einer Scheidung mit anschließendem Umzug in die Kellerwohnung. Man nehme die Realität an, arbeite Schritt für Schritt, und irgendwann, vielleicht in einem fernen Leben, vielleicht auch erst nach der nächsten Eiszeit, stehe man wieder unter den Top Vier.
Die „Nie-wieder“-Rhetorik rund um Finanzen und Nachhaltigkeit klingt dabei wie das Eingeständnis eines Mannes, der nachts wach liegt und die alten Kontoauszüge studiert. Was auch immer in den letzten Jahren an finanzpolitischen Kapriolen geritten wurde, es war offenbar so spektakulär schlecht, dass selbst der Verursacher lieber nicht im Detail darüber reden möchte. Man stelle sich das vor: Da werden Talente behutsam aufgebaut, Nachwuchsspieler integriert, und gleichzeitig wird im Hintergrund offensichtlich gewirtschaftet wie einst auf dem Rummelplatz, nur ohne die Zuckerwatte als Entschädigung.
Am Ende bleibt das Bild eines Funktionärs, der den Niedergang seines Vereins in die Sprache der Bergpredigt übersetzt hat. Klar, David gegen Goliath, der tapfere Kampf, der ehrenvolle Untergang, die Zuschauer, die einen „reißenden Cupabend“ erleben sollen, obwohl das einzige, was hier reißt, vermutlich die defensive Zuordnung sein wird. Aber Hauptsache, es klingt nach Charakter. Nach Würde. Nach einem Verein, der sich „teuer verkauft“. Billiger geht es in Klagenfurt gerade offenbar nicht mehr.