Spielende Kinder haben am Dienstag in Vöcklabruck am Ufer der Ager eine Frauenleiche gefunden, die mehrere Stichverletzungen aufwies. Die Kinder, routiniert im Auffinden verborgener Schätze zwischen Schwemmholz und Kronkorken, behielten zunächst einmal die Nerven. Erwachsene vor Ort verloren sie sofort, weil Erwachsene das seit der Kreidezeit für ihren ureigenen Zuständigkeitsbereich halten.
Die Polizei teilte am Donnerstag mit, man gehe von einem Tötungsdelikt aus, der Tathergang sei Gegenstand von Ermittlungen, und überhaupt werde alles getan, was man tun könne, so lange niemand etwas sagen müsse. Die Staatsanwaltschaft Wels ordnete eine Obduktion an, was in der Region als sportliche Großtat gilt, weil die meisten Akten dort sonst zwischen Tür und Angel erledigt werden.
Bei der Getöteten handelt es sich um eine 53-jährige Frau, die zuvor einige Tage abgängig war. Abgängig, dieses wunderbare Wort, das im Beamtendeutsch seit jeher die exakte Mitte hält zwischen Suchaktion und Hoffnung, zwischen Vermisstenfahndung und pflichtschuldigem Achselzucken. Wer in Oberösterreich ein paar Tage fehlt, ist nicht verschollen, sondern nur behördlich noch nicht aufgetaucht, was den Unterschied macht zwischen einem Drama und einer Aktenmappe.
Der eigentliche Skandal indes spielt sich nicht am Flussufer ab, sondern in den Fluren der Bezirksverwaltung. Während die Polizei noch Spuren sicherte, suchte man fieberhaft nach dem zuständigen Referenten, der zuständig dafür ist zu klären, wer zuständig dafür ist, die Zuständigkeit zu prüfen. Ein Sprecher der Bezirkshauptmannschaft erklärte, man sei zutiefst betroffen, könne aber zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Aussage darüber treffen, ob man zuständig sei, was sich erst nach Abschluss der Zuständigkeitsprüfung herausstellen werde, die man aus Respekt vor den Angehörigen nicht überstürzen wolle.
Die Kinder, die den Fund gemacht hatten, wurden in der Zwischenzeit nach Hause geschickt, wo sie nach kurzer Schockphase wieder anfingen, sich über die richtige Spielstrategie beim Verstecken im Wald zu streiten. Erwachsene hingegen einigten sich auf einen Kompromiss, der im Wesentlichen darin bestand, dass man sich einig war, dass die Lage ernst sei, man sich aber in keiner Weise äußern werde, solange die Obduktion laufe, der Tathergang unklar sei und die Wetterlage am Agerufer für Pressetermine ohnehin ungeeignet.
In Vöcklabruck selbst hat man unterdessen einen runden Tisch einberufen, an dem Vertreter der Gemeinde, der Exekutive, der Staatsanwaltschaft, der Bezirkshauptmannschaft, des Landes und der zuständigen Versicherungen teilnehmen. Man wolle, heißt es, alle Hebel in Bewegung setzen, sämtliche Kräfte bündeln und vor allem eines: niemanden ausschließen, der später behaupten könnte, er hätte dabei sein müssen. Eine erste Stellungnahme wird für Ende der Woche erwartet, sofern bis dahin keine neue Pressekonferenz die alte überholt.
Was bleibt, ist das Bild von Kindern, die einfach losgehen und eine Leiche finden, während die Erwachsenen noch damit beschäftigt sind, die Pressemappe zu laminieren. Es ist, als hätte die Natur dem Verwaltungsapparat eine Lektion erteilt, und der Verwaltungsapparat hat sie, wie üblich, zur Bearbeitung an die nächste Sitzung weitergeleitet.