Rom ist bekanntlich schon seit Jahrhunderten Weltmacht, Welterbe und Wallfahrtsort für Espressosüchtige. Ab sofort kommt noch etwas hinzu: Klagenfurt. Jedenfalls donnerstags und sonntags, immerhin. SkyAlps, diese kleine tapfere Airline, die auf ihrer Homepage vermutlich die Nationalhymne spielt, wenn man sie öffnet, verlängert ihre Sommerromanze mit der Ewigen Stadt gnadenlos bis in den März hinein. Man stelle sich vor: Kärntnerinnen und Kärntner, diese vom Schicksal hart geprüften Südosteuropäer der Republik, können fortan im Winter spontan in die Hauptstadt Italiens fliegen. Einfach so. Ohne den mühsamen Umweg über Wien, Salzburg oder die Existenzkrise.
Der Flughafen Klagenfurt, dieser stolze Backsteinbau mit der Aura einer Behördenkantine aus den Siebzigern, spricht in seiner Mitteilung von einer sehr guten Nachfrage. Was sehr gute Nachfrage bei zwei wöchentlichen Verbindungen auf einer Strecke von ungefähr einer Stunde konkret bedeutet, bleibt das Betriebsgeheimnis des Kärntner Luftverkehrs. Wahrscheinlich ist es der voll besetzte Flieger genau einmal pro Monat, was im Fachjargon Flughafenmanagement als Vollauslastung durchgereicht wird, sofern man den Begriff großzügig auslegt und den Co-Piloten als zahlenden Passagier führt.
Flughafengeschäftsführer Maximilian Wildt, ein Name, der in keinem österreichischen Pressetext fehlen darf, weil er nach alpiner Tatkraft und nach einer Charge Herrenparfüm aus der Drogerie klingt, spricht von einem hervorragenden Städtereiseziel und einem attraktiven Anlass für Reisen in den Wintermonaten. Die Italiener, fügt er an, würden Kärnten als Urlaubsziel entdecken. Was er verschweigt: Vermutlich deshalb, weil sie in Italien selbst gerade keine Lust auf Schnee haben und sich am Wörthersee einbilden, das sei dann die Karibik mit Bergpanorama. Immerhin ist die Toskana auch nur ein größeres Kärnten mit schlechteres Essen.
Dann tritt Martin Gruber auf, Landeshauptmann-Stellvertreter und damit per Definition ein Mann, der jede Eröffnung eines Würstelstands als industriepolitischen Meilenstein verkaufen würde. Eine starke internationale Anbindung sei ein wichtiger Standortfaktor, erklärt er mit der Inbrunst eines Mannes, der gerade zwei zusätzliche Hin-und-Rück-Flüge pro Woche in ein Land präsentiert, dessen Hauptstadt von jedem halbwegs ambitionierten Zug in sechs Stunden erreichbar wäre. Er nennt das ein erfreuliches Signal. Ein Signal wofür, bleibt sein Geheimnis. Vermutlich dafür, dass Kärnten ab sofort auf der Weltkugel nicht mehr nur als weißer Fleck zwischen Alpen und Italien existiert, sondern als Punkt mit Flughafen. Das ist fast so viel Aufmerksamkeit wie damals die Bewerbung für die Olympischen Winterspiele, nur diesmal mit echten Flugzeugen statt nur mit Plakaten.
Klaus Ehrenbrandtner von der Kärnten Werbung legt nach und spricht von Ganzjahrestourismus, einem Begriff, den er so ausspricht, als hätte er ihn gerade selbst erfunden und wolle ihn sich markenrechtlich sichern. Italien sei ein bedeutender Herkunftsmarkt. Gemeinsam mit italienischen Reiseveranstaltern habe man attraktive Reisepakete geschnürt. Man male sich das aus: Ein Mailänder Rentnerpaar, das sich bisher für Kärnten interessiert hat wie für eine Bushaltestelle in Wolfsberg, soll jetzt per Direktflug nach Klagenfurt gelockt werden, um dort zwei Wochen lang Halbpension in einem Hotel mit dem Charme einer Schulaula zu genießen. Attraktive Reisepakete klingt in diesem Kontext wie die diplomatische Umschreibung für: Wir haben den Prospekt übersetzt.
Martin Payer von der Kärntner Beteiligungsverwaltung, ein Mann, dessen Berufsbezeichnung bereits nach jener Sorte Sitzung klingt, in der drei Stunden lang über die Farbe der Servietten debattiert wird, spricht von neuen Chancen für Tourismus und Wirtschaft. Neue Chancen. Für eine Region, die mehr Tourismusverbände als Berggipfel hat. Es ist die ewig gleiche Melodie: Sobald irgendwo ein Flugzeug abhebt, fällt eine politische Wortmeldung wie ein Mosaiksteinchen auf den nächsten, bis am Ende eine große bunte Wand dasteht, auf der in goldenen Lettern steht: Kärnten kann alles, sogar Flughafen.
Die Saisonpause von elf Tagen im Jänner wird im Pressetext so behandelt, als handle es sich um eine logistische Meisterleistung der Zivilisationsgeschichte. Rechtzeitig zu den Semesterferien, heißt es, starten die Flüge wieder. Wer zwischen 11. Jänner und 10. Februar unbedingt nach Rom muss, kann auf den klugen Gedanken kommen, einfach in den Bus nach Villach zu steigen, von dort mit dem Zug nach Wien und dann mit der Austrian. Aber das wäre ja keine Kärntner Direktverbindung, sondern bloß eine Verbindung. Und Direkt ist in Kärnten keine Streckenangabe, sondern ein politisches Bekenntnis.