Man stelle sich das einmal vor: Da kommen die Franzosen nach Kärnten, vermutlich mit Baguette unterm Arm und der Gewissheit, dass die Alpenrepublik ohnehin nur eine Art großes Bauernhofbuffet für gehobene Eishockeybedürfnisse ist, und was passiert? Sie verlieren. Nicht dramatisch, nicht peinlich, sondern auf die unnötigste Art, die der Sport überhaupt zu bieten hat: in der Verlängerung. 2:1, herzlichen Glückwunsch, die Rotjacken haben also wieder einmal bewiesen, dass Klagenfurt in Europa mithalten kann. Zumindest so lange, bis die Latte den Ausgleichstreffer für Bordeaux verhindert, was ja inzwischen als österreichische Sportart gelten darf.
Das Spiel selbst verlief offenbar nach dem altbewährten Muster, das man aus heimischen Hallen kennt: Erstmal ein Drittel verschlafen, dann beschweren, dass die Scheibe nicht ins Tor will, und am Ende dennoch feiern, als hätte man gerade die Champions League erfunden. Ein gewisser Tomasino brachte die Gäste früh in Führung, was vermutlich weniger an Können lag als an der Tatsache, dass die Klagenfurter Abwehr in den ersten Minuten offenbar noch damit beschäftigt war, das Parkett zu suchen. Dann verletzte sich auch noch ein Schwede namens Göransson, was in der Sportberichterstattung ungefähr so klingt wie ein schwedisches Möbelhaus, das gerade umzieht. Die Kärntner reagierten wie üblich: mit Latte, Pech und der stoischen Gelassenheit von Menschen, die wissen, dass das Wetter schlechter wird.
Im zweiten Drittel dann die heldenhafte Wende, die in keinem Drehbuch so stehen würde, weil sie zu klischeehaft wäre. Ein gewisser Nickl, dessen Name klingt wie eine Wiener Bäckerei, glich aus, und ein gewisser Vorauer, der im Tor stand, hielt, was zu halten war, und zwar so lange, bis die Verlängerung kam, was bei österreichischen Sportveranstaltungen ungefähr so sicher ist wie das Amen im Gebet. Beide Mannschaften trafen danach alles Mögliche, nur das Tor nicht. Latte, Pfosten, Lattenkreuz – die Bande entwickelte ein Eigenleben, das an die Wiener U-Bahn erinnerte, in der zwar ständig Bewegung herrscht, aber niemand ankommt, wo er hin soll.
Am Ende traf dann ein Däne, oder war es ein Schwede, oder vielleicht ein Kärntner mit dänischem Akzent, jedenfalls einer namens Petersen, der den Puck in Überzahl irgendwo ins Tor bugsierte, und alle waren zufrieden. Klagenfurt feierte sich, als hätte man Bordeaux nicht nur sportlich, sondern auch kulturell überlegen, Bordeaux tat so, als sei nichts gewesen, und die Latte, dieses traurige metallische Gestell, durfte einmal mehr die Hauptlast der österreichischen Sportgeschichte tragen.
Was bleibt? Ein Sieg, der zeigt, dass Österreich in Europa mithalten kann, solange die Gegner höflich genug sind, ebenfalls den Pfosten zu treffen. Ein Torhüter, der seinen Namen zu Recht trägt, weil er die Mannschaft vor Schlimmerem bewahrte. Und die Gewissheit, dass Klagenfurt auch in Zukunft jede Chance nutzen wird, die sich bietet, sofern sie nach Ablage durch Nickl und Petersen an die Latte fällt. Champions Hockey League, zweite Runde, irgendwann im Winter: Wir sind bereit. Die Latte auch.