Es war einmal ein ahnungsloser Konsument, der im Herbst nichts Böses ahnend in ein Elektronikgeschäft spazierte, um sich ein schickes Smartphone zu kaufen. Er wollte telefonieren, hin und wieder ein Foto schießen, gelegentlich den Wetterbericht lesen. Stattdessen wurde er von einer App begrüßt, die ihm erklärte, das Gerät sei nun kognitiv, empathisch und vor allem deutlich teurer. Der Mann verstand die Welt nicht mehr, aber das war auch nicht nötig, denn die Maschine verstand ihn ja angeblich.
Die Hersteller, seit jeher bescheiden und voller Demut, erklärten dem Publikum, dass der Preisaufschlag keineswegs etwas mit Gier zu tun habe, sondern mit dem unaufhaltsamen Siegeszug der künstlichen Intelligenz. Diese noble Technologie, die vor allem dazu dient, Mails zusammenzufassen und Meetings in Stichworten wiederzukäuen, verschlinge derart gewaltige Mengen an seltenen Erden, Energie und vor allem Managergehalt, dass man den Endkunden leider, leider zur Kasse bitten müsse. Man versicherte glaubhaft, dass man selbstverständlich auf nichts verzichten wolle, vor allem nicht auf die nagelneue Chefetage in Singapur.
Währenddessen sitzen die Ingenieure in ihren klimatisierten Hallen und versuchen, einem Gerät beizubringen, dass es den Besitzer erkennen möge. Das klappt hervorragend, solange der Besitzer nicht gerade eine Sonnenbrille trägt, Mundschutz aufhat oder ein Gesicht macht. Dafür kann das Smartphone jetzt Gedichte schreiben, die kein Mensch lesen will, und Konferenzschaltungen protokollieren, die kein Mensch verstanden hat. Ein echter Fortschritt für die Menschheit, vergleichbar mit der Erfindung des Toastbrots, nur teurer.
In den Regalen der Händler beginnt indessen das große Sterben der Mittelklasse. Modelle, die sich an normale Menschen mit normalen Budgets richten, werden sang- und klanglos eingestampft, damit Platz ist für die Premium-Klasse, die Premium-Plus-Klasse und die Premium-Plus-Ultra-Klasse. Letztere kann dann auch tatsächlich Kaffee kochen, vorausgesetzt, man hat das passende Abo, das passende WLAN und das passende Sternzeichen. Wer kein Geld hat, darf trotzdem mitspielen, allerdings nur in der Cloud, monatlich befristet, mit Werbung.
Die Spielekonsolen-Hersteller geben sich derweil betont gelassen und behaupten, man habe die Preiserhöhung schon vor Monaten intern beschlossen, also praktisch bevor irgendjemand auf die Idee kam, überhaupt eines zu kaufen. Wer jetzt noch glaubt, mit einem scharfen Blick und einem leeren Portemonnaie durchzukommen, dem sei gesagt: Die Konsole der Zukunft erkennt deine Wünsche, bevor du sie äußerst, und bestellt dir gleich das passende Spiel dazu, natürlich direkt abgebucht. Die einzige verbliebene Freiheit des Konsumenten besteht darin, sich auszusuchen, ob er traurig, wütend oder gleichgültig sein möchte.
In den heimischen Küchen beginnt unterdessen eine stille Revolution. Mütter, Väter, Großmütter und der eine Onkel, der immer alles repariert, scharen sich zusammen, schrauben alte Geräte auf, kleben Displays mit Paketband und schwören feierlich, dass das schon noch geht. In den sozialen Medien feiert man diese Helden als die wahren Intelligenzen des Landes, künstlich wie natürlich. Man tauscht sich aus, welches Handy-Modell von 2019 noch immer schneller ist als das neue, und warum ein ausgeschaltetes Gerät am Ende des Tages der klügste Begleiter ist, den man sich wünschen kann. Die Hersteller beobachten das alles gelassen aus ihren Hochglanzbroschüren und lächeln wissend, denn sie wissen: Irgendwann muss der Kunde wieder, irgendwann kauft er immer, und wenn nicht, erfindet man halt ein neues Kabel.