Da hat also einmal wieder jemand den Fußball-Kofferraum aufgemacht und ist in die Vorratskammer des europäischen Spitzenfußballs gefasst. Heraus kommt Jesper Lindström, ein dänischer Offensivspieler, der so international erfahren ist, dass sein Reisepass inzwischen aussieht wie die Kartei eines besonders ambitionierten Erasmus-Studierenden. Dänemark, Deutschland, Italien, England – Salzburg klingt da fast schon wie der beschauliche Endpunkt einer Schnitzeljagd, bei der die Teilnehmer nur noch schnell das Eckbüro mitnehmen, bevor sie sich zur Ruhe setzen.
Geschäftsführer Sport Marcus Mann spricht von „Tempo, technischer Qualität und Variabilität", was im Fußball in etwa so originell ist wie ein Wirtshaus in Niederösterreich, das Schnitzel, Backhendl und natürlich Kasnudeln anbietet. Man kann es auch „internationale Küche" nennen, gemeint ist immer dieselbe Karte. Lindström passe „sehr gut zu unserer Idee von Fußball", sagt Mann. Das klingt nicht nach einem Sportchef, der einen Spieler beurteilt, sondern nach einem Marketingverantwortlichen, der die Auslage der Geschäftsleitung gerade so hübsch hergerichtet hat, dass der Verwaltungsrat beim nächsten Catering freundlich nickt.
Dass Lindström mehrere Positionen in der Offensive spielen kann, ist im modernen Fußball so viel wert wie ein Wetterbericht im Jänner: Es klingt wichtig, ist aber meistens das Eingeständnis, dass man nicht genau weiß, wo der Mensch hingehört. Salzburg sammelt solche Mehrzweckwaffen offenbar nach demselben Prinzip wie andere Leute Hochzeitstorten-Deko: Man weiß nie, wo man es hinstellt, aber wegschmeißen wäre ja Verschwendung.
Natürlich, „leihweise". Das ist im Fußball das geschätzte Wort für ein befristetes Arbeitsverhältnis, bei dem beide Seiten so tun, als sei es Liebe, obwohl es eigentlich ein Casting für die nächste Saison ist. Napoli hat irgendwann einmal viel Geld für den Spieler bezahlt, was in Italien ungefähr so lange vorhält wie ein Gelato im Hochsommer. Jetzt ruht der Däne also in den Salzburger Händen, wie ein italienischer Sportwagen auf einem Parkplatz in Eugendorf.
Erinnert sich eigentlich noch jemand daran, dass Salzburg einmal vorhatte, einen eigenen Stil zu entwickeln? Inzwischen klingt die offizielle Sprachregelung eher nach dem Prospekt eines Wirtschaftsberatungsunternehmens, das zufällig einen Sportverein im Nebenregister führt. „Bringt Tempo mit. Bringt Variabilität mit. Sammelt wichtige Erfahrungen." Das ist keine Spielerbeschreibung, das ist der Lebenslauf eines Praktikanten beim Weltkonzern, kurz vor der Beförderung zum Junior Coordinator.
Man darf sich also auf einen Sommer freuen, in dem Lindström in Salzburg ankommt, als wäre er der langerwartete Cousin aus Übersee, der endlich die heimische Werkstatt aufräumt. Wahrscheinlich wird er dann in der ersten Pressekonferenz auf die Frage nach seinen Zielen so antworten, wie es Fußballer in solchen Momenten immer tun: Er wolle „der Mannschaft helfen, Spiele zu gewinnen", und er freue sich „auf die tolle Stadt und die tollen Fans". Salzburg wird das applaudieren, weil Salzburg immer applaudiert, wenn jemand Nettigkeiten sagt.
Und sollte es sportlich doch nicht klappen, bleibt immerhin der Trost, dass Salzburg ein Händchen dafür hat, Spieler später für Gewinn weiterzuverkaufen – vorausgesetzt, sie überleben das Trainingslager. Lindström hat in Dänemark, Deutschland, Italien und England wichtige Erfahrungen gesammelt. Für Österreich bleibt also nur mehr die Überschrift übrig: Auch hier gesammelt, ordentlich gestapelt, im Regal beschriftet und vermutlich irgendwann weiterverliehen. So funktioniert das. Immer so.