Man kann den LINZ AG wirklich nicht vorwerfen, dass sie in der Krise nicht präsent wäre. Wenn die Keime schon aus der eigenen Kühlturmverwandtschaft stammen, dann will man das ja auch ordentlich kommunizieren. Großes Bedauern, tiefe Erleichterung, genesene Patienten, alles auf einer Seite, alles am selben Nachmittag. Drei Tote, aber hey, die Kühlturmprobe passt wenigstens zu einem.
In der Wienerstraße, die sich als zehn Kilometer langes Versorgungsgebiet durch die Stadt schlängelt wie eine Wasserader durch ein Gebirge, wird seit Wochen fieberhaft gesucht, gemessen, sequenziert und desinfiziert. Über zweihundert Wasserproben später steht fest: die LINZ AG ist sauber, die LINZ AG war immer sauber, die Anlage war auf neuestem Stand der Technik, alle Überprüfungen ordnungsgemäß, man kann gar nicht genug betonen, wie ordnungsgemäß das alles war. Nur leider erinnert sich halt ein Legionellenstamm im Labor nicht an die Pressemitteilung.
Wenn man Behörden beim gemeinsamen Aussenden zusieht, fühlt man sich wie auf einem Klassentreffen der Sachbearbeiter. Land OÖ, Bezirkshauptmannschaft Linz-Land, Magistrat Linz und die AGES treten als harmoniesuchender Viergesang auf, und das Publikum darf staunen, wie beruhigend Sätze klingen, in denen das Wort möglicherweise fünfmal vorkommt. Möglicherweise die Ursache, möglicherweise der Zusammenhang, möglicherweise war es nicht die Trinkwasserversorgung, möglicherweise sollte man die Fenster schließen und trotzdem gut lüften.
Die LINZ AG ihrerseits hat in den eigenen Reihen sofort die Trockenbetriebskanone aus dem Regal geholt. Wenn schon Keime, dann wenigstens keine neuen. Das ist so, wie wenn man die Küchenfliege erst nach dem Festessen erlegt und danach stolz verkündet, dass ab sofort keine mehr eingeladen wird. Die Anlage wurde gereinigt, desinfiziert, umgeschaltet und vermutlich auch liebevoll gestreichelt, Hauptsache, der Befund von morgen findet hier keinen Kollegen mehr.
Dass in der Zwischenstadt weiterhin Leute husten, wird höflich als ungeklärte Hintergrundmusik behandelt. Woher die anderen Erkrankungen kommen, weiß man nicht, will man aber erfahren, sobald die zuständige Abteilung nach der Pressekonferenz wieder Zeit hat. Bis dahin gilt: die LINZ AG unterstützt die laufenden Untersuchungen wie bisher nach Kräften, also im Schichtmodell, mit Pausen, und immer in Absprache mit der Rechtsabteilung.
Dass die Trinkwasserversorgung ausdrücklich nicht betroffen ist, hat inzwischen schon etwas Tröstliches. Man kann also weiterhin Leitungswasser trinken, Duschen gehen und sich dabei einbilden, man habe alles richtig gemacht. Die Lunge allerdings macht da nicht immer mit, weshalb man in Linz derzeit empfiehlt, Behördenaussendungen nur in Maßen zu inhalieren. Die sind nämlich, je nach Lesart, genauso schwer verdaulich wie ein zehn Kilometer langer Kühlturm voller Erklärungsnotstand.
Am Ende bleibt das schöne Bild einer Stadt, die sich gemeinsam mit ihren Versorgern gegen ein unsichtbares Bakterium stellt. Die LINZ AG bedauert, die Behörden prüfen, die AGES sequenziert, die Patienten genesen, und irgendwo in der Wienerstraße summt ein Kühlturm leise vor sich hin, der offiziell nie existiert hat, aber gerade ganz offiziell gemeint ist. Möglicherweise.