Es gibt Ausbildungsstätten, da lernt man etwas Sinnvolles. Maurer, Installateur, Bestatter, Klimatechniker. In Tirol lernt man jetzt offiziell Nachwuchsjournalist, und zwar dort, wo man es am besten lernt, in einer Bildungseinrichtung, die den schönen Namen Journalismusakademie trägt und in jenen Räumen stattfindet, in denen sonst Erwachsene lernen, wie man einen Stapel Akten korrekt abheftet.
Mitte August war es wieder soweit. Zwölf junge Talente, wie Talente in der Branche heißen, die man später in Redaktionsküchen mit Kaffee und Selbstzweifeln versorgt, durften die Pforten der Akademie durchschreiten. Fünf Wochen lang werden sie mit dem ausgestattet, was man in der Branche unter journalistischem Rüstzeug versteht. Recherche, Medienrecht, Medienethik und das ganze digitale Drumherum. Sogar die Rolle der Medien in einer Demokratie wird erwähnt, wahrscheinlich am Mittwoch zwischen zehn und elf, genau in der Stunde, in der Demokratie sowieso ihr kleines Nickerchen macht.
Besonders spannend wird es, wenn Lehrgänge nicht nur in Seminarräumen stattfinden, sondern auch in ehrwürdigen Redaktionen, also dort, wo täglich die Welt in Form von Schlagzeilen neu sortiert wird. Eine gewisse Tiroler Redaktion, die ihren Sitz schon gefühlt seit der Erfindung der Druckerpresse in Innsbruck hat, darf sich auch heuer wieder als Praxisstation betätigen. Die Akademie ist dort übrigens von Anfang an Partner, und Partner bleiben in dieser Branche erfahrungsgemäß für immer, solange niemand den Vertrag aus der Schublade fischt und vorliest.
Am ersten großen Tag wurden die Räumlichkeiten besichtigt, die Abläufe besprochen und sogar das eine oder andere Geheimnis verraten, im Vertrauen, versteht sich. Was diese Geheimnisse sind, weiß niemand, und genau das macht den Reiz aus. Es könnten die Aufbewahrungsorte der guten Bonmots sein, es könnten die Passwörter für die Sozialen Medien sein, es könnten die Quellen für die alljährlichen Sommerlochmeldungen sein. In jedem Fall hört es sich nach sehr viel mehr an, als es am Ende sein wird, und genau das ist die wahre Kunst.
Dass sechs der Absolventen überhaupt eine Praxisstelle bekommen, grenzt fast an ein Wunder, denn in Tirol gibt es für zwölf Hoffnungsträger rein rechnerisch nur etwa zwei ernstzunehmende Stuhlplätze. Zwei davon landen in der besagten Redaktion, die übrigen vier werden auf die übrigen Redaktionsstuben des Landes verteilt, was so viel heißt wie, sie werden hingehen, zuschauen, Kaffee holen, und irgendwann ist die Praxis vorbei. Danach winkt der ganz normale Wahnsinn einer freien Mitarbeit, also Schreiben für ein Honorar, das in etwa die Höhe eines Parktickets in der Innenstadt hat.
Die Teilnehmer selbst fanden das Ganze natürlich spannend, weil sie noch jung sind und glauben, dass Redaktionsluft nach irgendetwas Besonderem riecht. In Wahrheit riecht sie nach Druckerschwärze, altem Kaffee, kaltem Zigarettenrauch und einer leichten Note von Deadline, aber das werden sie spätestens nach der ersten Nachtschicht selbst herausfinden. Bis dahin sitzen sie brav im Kursraum, üben Suchmaschinen, üben Formulierungen, üben den respektvollen Umgang mit dem Pressekodex und merken noch nicht, dass die wichtigste Fähigkeit, die sie dort erlernen werden, das schnelle Erfassen von Portionsgrößen bei Keksen am Redaktionsbuffet ist.
Am Ende steht dann fest: Sechs bekommen einen Platz, sechs gehen nach Hause und erzählen Verwandten beim Sonntagsbraten, dass die Branche eben nichts für Feiglinge ist. Die Akademie wird im nächsten Jahr wieder stattfinden, mit neuen Gesichtern, neuen Hoffnungen und demselben Begleitheftchen, in dem steht, dass alles ganz spannend wird, man nur die redaktionellen Abläufe kennenlernen müsse und überhaupt, das alles sei eine wunderbare Chance. Im Vertrauen, versteht sich.