Kultur Satire Tirol

Neun Stunden, drei Damen, eine Direktorin: Schnitzler lässt grüßen, die Josefstadt stöhnt

Kurzinfos auf einen Blick

  • Die Satire überzeichnet die Eröffnungsinszenierung eines Wiener Traditionshäusers, bei der eine neue Direktorin mit einem monumentalen Klassiker ein Ausrufezeichen setzen will
  • Die zentrale Zuspitzung liegt in der Gegenüberstellung von neunstündigem Original und dreistündiger Kürzung, gewürzt mit Motiven einer kriegsbejahenden Operette von 1915 – ein Clash aus Diätpredigt und Tortenrezepten
  • Das Publikum wird unfreiwillig Teil der Inszenierung, indem es per Video auf einen Gazevorhang projiziert wird und so unfreiwillig selbst mitspielt
  • Running Gag ist die Behauptung, die Handlung finde nicht auf der Bühne statt, sondern in Foyer, Logen, Klo und Buffetschrank – Theater als kollektive Geduldsprobe
  • Die Kritik zielt auf den Wiener Theaterbetrieb, der jede Spielzeiteröffnung als Visitenkarten-Gasmaske inszeniert, sowie auf die Neigung, jeden Klassiker zur prestigeträchtigen Monumentalveranstaltung aufzublähen

Es gibt zwei Sorten von Theatereröffnungen. Die eine ist schlicht, präzise und tut so, als wäre sie ein ganz normales Stück. Die andere ist eine Visitenkarte, die sich in Form einer Gasmaske präsentiert. Die Josefstadt hat sich, pünktlich zum Amtsantritt einer neuen Chefin, für die zweite Variante entschieden und Arthur Schnitzler aus dem Giftschrank geholt, als handle es sich um eine vergessene Familienpizza im Tiefkühler.

Dass Schnitzlers Komödie der Verführung selten gespielt wird, hat, wie man munkelt, handfeste Gründe. Neun Stunden, fünfundzwanzig Figuren, dreihundert Seiten, ein Krieg im Hintergrund und drei Damen, die zwischen Lust und Kalkül hin- und herpendeln. Die neue Direktorin, frisch im Amt und vermutlich noch auf der Suche nach dem Schlüssel zum Dienstwagen, fand das offenbar genau richtig. Schließlich will man sich nicht mit einem Reigen begnügen, wenn man auch die Traumnovelle gleich mitverwursteln kann.

Die Regisseurin, die das Ganze dann zu verantworten hat, entschied sich für eine radikale Kürzung. Radikal bedeutet in diesem Fall, dass aus neun Stunden drei werden, was an sich schon ein Akt der humanitären Intervention ist. Gleichzeitig wurde das Werk um Motive aus einer Operette angereichert, die 1915 uraufgeführt wurde und damit den Krieg, den das Stück kritisiert, musikalisch flankiert. Das ist, als würde man eine Diätpredigt mit Tortenrezepten garnieren.

Das Ergebnis ist dann auch genau das, was man sich unter Theater als kollektiver Geduldsprobe vorstellt. Die erste Hälfte spielt nicht auf der Bühne, sondern im Foyer, in Logen, auf dem Klo und vermutlich auch im Buffetschrank. Das Publikum wird mit einem Videobild auf einen Gazevorhang projiziert und darf so selbst Teil des Bühnenbilds werden. Für die Damen in der dritten Reihe bedeutet das, dass sie ab sofort nicht mehr heimlich, sondern offiziell mitspielen, was bei einem Stück über Verführung natürlich eine gewisse Folgerichtigkeit hat.

Die Musik schwankt zwischen Techno und Operettenseligkeit, also genau zwischen dem, was die Großeltern hören wollten, und dem, was die Enkel hören wollen. Dazwischen gibt es Gedichte aus dem Wiener Kabarett, was so viel heißt wie: Man hat das Programmheft durchgeblättert und einfach alles hineingeworfen, was irgendwie nach Wien riecht. Karl Kraus hätte das gefallen, allerdings hätte er es auch in zwei Sätzen zerlegt.

Was am Ende bleibt, ist eine sehr elegante Geste der Überforderung. Dreizehn Schauspieler, die tapfer durch Kostüme mit queeren Anspielungen stolpern, drei starke Frauenrollen, die der Regie mehr verdanken als dem Autor, und ein Premierenpublikum, das nach zweieinhalb Stunden den ersten Blick aufs Handy riskiert. Schnitzler hätte gesagt, die Gesellschaft tanzt, während die Welt untergeht. Hier tanzt das Premierenpublikum, während die Sitzreihen untergehen.

Man kann der neuen Direktorin zugutehalten, dass sie niemanden nach Schnitzler gefragt hat. Man kann ihr vorwerfen, dass sie ihn trotzdem gefragt hat, und zwar auf eine Art, die selbst das Stück um Beihilfe zum Suizid der eigenen Uraufführung bitten würde. Am Ende applaudiert das Publikum artig, trinkt Sekt im Foyer und tut so, als hätte es das gerade Erlebte verstanden. So ist das in Wien, so war es 1914, so wird es bleiben.

Die Josefstadt bleibt, was sie war: ein ehrwürdiges Haus, das sich gelegentlich neu erfindet, indem es genau das Gegenteil davon tut. Die nächste Premiere kommt bestimmt, und sie wird vermutlich kürzer sein. Wenn nicht, bleibt dem Publikum immerhin die Gnade der Garderobe, in der die Damen ihre Pelze holen, während die Herren noch im Foyer nach dem Ausgang suchen.

Häufige Fragen

Ist dieser Text eine echte Theaterkritik oder Satire?

Das ist eindeutig Satire. Der Artikel übertreibt bewusst theatrale Klischees, die Verwechslung von Arthur Schnitzlers Stücken und die absurden Inszenierungsdetails, um den Wiener Theaterbetrieb liebevoll aufs Korn zu nehmen.

Welche Schnitzler-Komödie ist hier wirklich gemeint?

Die Beschreibung mit neun Stunden, fünfundzwanzig Figuren und Kriegshintergrund passt auf "Das weite Land" – nicht auf "Reigen" oder "Traumnovelle", die der Text scherzhaft ins Spiel bringt.

AI
KI-generierter Satire-Beitrag

Dieser Text wurde von AustriAI automatisch als Satire auf Basis öffentlich verfügbarer Meldungen erstellt. Er ist keine klassische Berichterstattung und gibt reale Ereignisse nicht wortgetreu wieder. Mehr erfahren

Satirisch generiert von AustriAI am 04. September 2026, 05:02 Uhr