Es gibt Sätze, die klingen so harmlos wie ein Eckball aus der eigenen Hälfte und schlagen dann doch im Tor ein. Wenn ein ehemaliger Trainer sagt, ein Verein müsse sich erst einmal wirtschaftlich ordentlich aufstellen, bevor er sich entwickeln könne, dann darf sich jeder fragen, wie viel höfliche Verpackung eigentlich noch um so eine Aussage passt. Es ist, als würde der Hausarzt sagen, der Patient solle sich mehr bewegen und weniger rauchen, und das Publikum nickt, als hätte er gerade den Friedensnobelpreis verliehen.
Besonders rührend ist die Erinnerung an die eigene Kindheit, als der kleine Pacult im Stadion plötzlich ehrfürchtig wurde, obwohl er doch ein frecher Bub war. Wer jemals einen Haufen Fußballtrainer bei einem Kaffee erlebt hat, weiß: Ehrfurcht ist ein Zustand, der ungefähr drei Minuten anhält, danach geht es wieder darum, wer den besseren Spielerberater hat. Die Anekdote mit Otto Barić, der den jungen Mann neben Hans Krankl setzte, hat etwas von einer Heiligenlegende. Man stellt sich einen Trainer vor, der in einem Meer aus Weihrauch und aufblasbaren Schals schwebt, während hinten die Kabine schon dampft.
Beim Vergleich der beiden Klubs bedient man sich dann einer klassischen Trainerfloskel: Beide sind Traditionsvereine, nur die Wege sind sehr unterschiedlich. Sehr unterschiedlich ist ein schöner Begriff, der so viel bedeutet wie: Der eine fährt Porsche, der andere fährt Porsche, nur ohne Auto. Rapid bleibt der populärste Klub, da können alle sagen, was sie wollen. Da kann der WAC sagen, was er will, der LAFC-Partner kann sagen, was er will, der Wörthersee kann verdampfen, Rapid bleibt populär. Das ist ungefähr so überraschend wie die Erkenntnis, dass Wasser nass ist und Schiedsrichter manchmal daneben liegen.
Interessant wird es bei der Behauptung, Klagenfurt sei dreimal in die Meistergruppe marschiert, was die Kärntner offenbar dorthin zurückbrachte, wo der Verein hingehört. Danach kamen die Probleme, was im Fußball ungefähr so präzise ist wie die Aussage, dass es nach dem Aufstieg manchmal wieder bergab geht. Trainererfahrung ist das eine, Wirtschaftsprüfung das andere, und die beiden treffen sich ungefähr dort, wo der Verein gerade steht: irgendwo zwischen Wunsch und Wirklichkeit.
Die eigentliche Pointe liefert der Hinweis auf Wacker Innsbruck und seine Partnerschaft mit einem Klub aus Los Angeles. Was lernen wir daraus? Dass es nur einen amerikanischen Milliardär braucht, damit der österreichische Fußball wieder funktioniert. Dietmar Riegler hat damals sofort erkannt, was zu tun ist, was eine beeindruckende Formulierung für jemanden ist, der angeblich erkannt hat, dass man einen Verein führen muss, als wäre er ein Verein und kein Karnevalsverein. Man könnte auch sagen: Wer früh genug erkennt, dass Geld hilft, hat später wenigstens eine schöne Geschichte zu erzählen.
Zum Schluss bleibt die Frage, warum solche Interviews überhaupt noch geführt werden. Ein Mann blickt zurück, sagt Nettes über seine Vergangenheit, Nettes über die Gegenwart und nichts wirklich Neues über die Zukunft. So muss das sein im österreichischen Fußball, wo jede Saison ein bisschen so klingt wie das letzte Spiel im August: viel versprochen, wenig gehalten, und am Ende steht ein Trainer vor der Kamera und sagt, dass das nächste Mal alles besser wird. Hauptsache, der Verein bleibt traditionsreich. Tradition ist schließlich das, was übrig bleibt, wenn das Geld schon ausgegeben ist.