Es gibt Sätze, die lesen sich, als hätte jemand das Internet durch einen Schwamm ersetzt und dann das Ergebnis durch einen zweiten. Wenn ein Geldinstitut stolz verkündet, die Immobilienkreditvergabe sei mit ersten September neu aufgestellt, dann darf man kurz die Luft anhalten. Nicht wegen der Sensation, sondern wegen der schieren Frequenz, mit der Begriffe wie neu aufgestellt in Umlauf gebracht werden, als wäre jede kleine Filiale ein Raumschiff, das gerade die Triebwerke zündet.
Noch besser wird es bei den WohnTraumBeratern. Das klingt weniger nach Banklehre und mehr nach einem Berufsstand, den man sich am besten mit einem weichen Polsterüberwurf und einem Glas Holunderblütensaft vorstellt. Zertifiziert ist das Ganze obendrein, was die Frage aufwirft, wovon genau. Vom Traum? Vom Haus? Vom Bausparer? Jedenfalls stehen nun in Parndorf, Weiden am See und Gattendorf Menschen bereit, die einem erklären, wie der Traum vom Eigenheim so finanziert wird, dass er sich anfühlt wie eine sanfte Mondlandung und nicht wie ein Sturz aus dem dritten Stock.
Dass dafür gleich sechs Personen nötig sind, wirkt zunächst großzügig, bei genauerer Betrachtung aber wie eine logistische Meisterleistung. In Parndorf sitzen Goldschmidt und Gojakovich, in Weiden am See werkeln Gangl und Ochs, in Gattendorf kümmern sich Schneemayer und Miletich. Da fehlt eigentlich nur noch eine offizielle Telefonzentrale, die man mit einer geheimnisvollen Stimme besetzt, die jeden Anrufer zuerst fragt, ob er wirklich bereit sei, erwachsen zu werden.
Das eigentlich Bemerkenswerte ist jedoch nicht das Personal, sondern der Ton. Man möchte sich melden, jetzt, sofort, am besten gestern. Man möchte kompetente Beratung und maßgeschneiderte Finanzierungslösungen. Das liest sich wie die Inhaltsangabe einer Folge von Liebling Kreuzberg, nur ohne Krimi und mit deutlich mehr Tilgungsplan. Wer nach dieser Lektüre nicht das dringende Bedürfnis verspürt, sofort einen Kredit über mehrere hunderttausend Euro aufzunehmen, hat das Marketing offenbar nicht richtig gelesen.
In einem burgenländischen Dorf, in dem die Mischwasserüberlaufbecken neuerdings die wichtigsten infrastrukturellen Großereignisse sind, hat eine Bank die plausible Vermutung, dass die Leute vor allem über zwei Dinge nachdenken: den nächsten Regen und das nächste Haus. Ob das stimmt, sei dahingestellt. Sicher ist nur, dass die Genossenschaftsidee inzwischen weniger nach Förderung und mehr nach Franchise klingt. WohnTraumBerater inside, wie es in der Pressemitteilung steht, als wäre der Bankomat ein neuer Kühlschrank.
Am Ende bleibt das schöne Gefühl, dass jemand ganz offiziell dafür bezahlt wird, einem beim Träumen zuzusehen und das Ergebnis in monatliche Raten umzurechnen. Wenn das keine moderne Form von Seelsorge ist, dann weiß ich auch nicht. Man darf gespannt sein, wann die ersten Häuslbauer aus der Region Parndorf ihre eigenen WohnTraumBerater-Therapiegruppen gründen, in denen sie sich gegenseitig erklären, wie das alles so weit kommen konnte.