Es gibt Sätze, die klingen wie ein Standesamt und schmecken wie ein Finanzamt. "Eine Pension ist kein Geschenk" gehört in diese edle Sammlung. Jahrzehntelang gearbeitet, ein Leben lang Beiträge abgeliefert, und was kommt zurück? Eine Debatte, in der dieselben Leute, die den Beiträgen damals zugestimmt haben, jetzt so tun, als handle es sich um ein großzügiges Almosen der Großzügigkeit, das man jederzeit zurückfordern könne. Man stelle sich vor, der Bäcker würde nach zwanzig Jahren Stammkundschaft sagen, das Brot sei zwar kein Geschenk, aber er behalte sich vor, die Semmel künftig nur noch bei Vollmond und mit ausgefülltem Antrittsaltersformular auszuhändigen.
Wirklich rührend ist die Fürsorge, mit der die Funktionärinnen der beiden großen Seniorenorganisationen ihre Schäfchen – pardon, ihre Mitglieder – durch diese stürmische See lotsen. Die einen hören "sehr interessiert und aufmerksam" heraus, die anderen "große Verunsicherung", und alle sind sich einig, dass die Betroffenen vor allem eines verdienen: noch mehr Gespräche über ihre Lage. Wenn Menschen das Gefühl bekommen, dass ihre soziale Absicherung nicht mehr verlässlich ist, leidet das Vertrauen in Politik und Institutionen, heißt es dann. Das ist ungefähr so überraschend wie die Erkenntnis, dass der Wirt schlechte Laune bekommt, wenn man ständig die Speisekarte umwirft.
Besonders charmant ist der Vorschlag, das Pensionssystem mit einem Staatsfonds abzusichern. Eine wunderbare Idee, so als würde man ein Haus, dessen Dach bereits im Regen steht, mit einem besonders soliden Fundament für die Waschküche versehen. Ein Fonds ist in der österreichischen Politikkultur bekanntlich jenes Finanzinstrument, das man dann einführt, wenn man gleichzeitig keine Steuer erhöhen, keine Reform durchziehen und keinem Interessenverband auf die Füße steigen will. Am Ende steht der Fonds irgendwo zwischen Kassenfusion und Klimabonus und wartet geduldig darauf, dass eine Generation in Pension geht, die ohnehin nur mehr Briefmarken und Kreuzworträtsel erbt.
Und dann ist da noch der Dauerbrenner schlechthin, die Lieblingsdebatte all jener, die selbst nie in die Verlegenheit kommen werden, an einer Werkbank oder in einem Pflegeheim nachzudenken, ob sie mit vierundsechzig noch durchhalten. Die Erhöhung des Pensionsantrittsalters. Man diskutiert sie so regelmäßig und so folgenlos wie die Sommerzeit. Einmal jährlich wird sie ausgepackt, in die Sonne gehalten, begutachtet und wieder weggeräumt, bis die nächste Wahl vor der Tür steht und der liebgewonnene Dauerbrenner artig für vier Jahre in den Giftschrank wandert.
Das Schönste an der ganzen Aufregung ist aber die Mischung aus Sorge und wachsendem Unmut, die sich bei den Organisationen meldet. Die Menschen fragen sich ganz konkret, welche Belastung als Nächstes kommt. Eine berechtigte Frage, die man in Österreich normalerweise mit einem Achselzucken, einem Verweis auf die Gesprächsbedarfe und der höflichen Bitte beantwortet, sich noch ein Jahr zu gedulden. Dann kommt der Abschlussbericht einer Expertenkommission, die Empfehlung wandert in einen Ministeriumsakt, der Akt wandert in ein Regal, und das Regal wird irgendwann zugesperrt, weil man Platz braucht für die nächste Reform.
Was bleibt, ist die beruhigende Gewissheit, dass alles seinen Gang geht. Die Beiträge werden weiter eingehoben, die Diskussionen werden weiter geführt, die Funktionärinnen werden weiter zitiert, und die Pensionisten werden weiter verunsichert. Nur eines ist sicher: dass am Ende niemand auf die Idee käme, das Wort "verlässlich" zu definieren, weil es sich dann auflöst wie ein Schaumbad in der Badewanne. Man möchte den Betroffenen zurufen, dass sie sich keine Sorgen machen sollen, solange die Sorge das einzige ist, was sie haben. Aber das wäre natürlich unangemessen und undifferenziert. Also schweigen wir höflich und warten auf die nächste Aussendung.