Man stelle sich vor, irgendwo im Burgenland brennt ein Keller, fünf Wehren rücken an, 85 Mannschaften schleppen Schläuche, drei Menschen landen im Spital, und die Welt dreht sich weiter. Soweit der Alltag, der an dieser Stelle aber nicht weiter interessieren soll, weil er nur als folkloristisches Beiwerk dient. Viel wichtiger ist die eigentliche Sensation, die sich zeitgleich in Pinkafeld anbahnt, nämlich die endgültige Demontage des Stadls als kulturelle Grundkonstante.
Pinkafeld, dieser leuchtende Fixstern der Provinz, hat beschlossen, dass die Zukunft des Feierns nicht mehr in Holz, Most und schlecht beleuchteten Eckbänken stattfindet, sondern in einem Kulturhaus, das klingt, als hätte man den Begriff Veranstaltungszentrum einfach dreimal durch den Gemeinderat gedreht. Wer künftig heiraten, tanzen, weinen oder betrunken Geburtstag feiern will, der darf sich auf Räumlichkeiten freuen, die vermutlich genauso einladend sind wie eine Sitzung des Finanzausschusses, nur mit besserer Akustik und einem Sekt, der nach Budget schmeckt.
Die Botschaft dahinter ist klar und sie ist alt. Wenn man nicht weiß, was man mit sich anfangen soll, dann baut man halt was. Das ist die österreichische Version von Selbsttherapie, nur mit Beton und Fördertopf. Der Stadl wird dabei als romantischer Hort der Spontanität verabschiedet, als hätte er jemals Spontanität gesehen und nicht nur das immer gleiche Publikum mit den immer gleichen Schuhen. Künftig soll alles seinen Gang gehen, geplant, strukturiert, mit Brandschutzkonzept, Punsch-Ausschank-Konzept und vermutlich einem Konzept für das Konzept.
Natürlich darf bei einer solchen Vision auch der Gemeinderat nicht fehlen, jenes Gremium, das sonst vor allem durch Abwesenheit glänzt und nun plötzlich als Kulturvisionär auftritt. Man darf sich die Sitzung vorstellen wie ein Wirtshausgespräch nach dem dritten Achterl, nur mit Protokoll und Mikrofon. Es wird von Lebensqualität gesprochen, von regionaler Strahlkraft, von einer Stadt, die angeblich denkt, sie sei eine Stadt, und von einer Jugend, die angeblich denkt, sie bleibe. Die Wirklichkeit hält derweil im Keller irgendwo in Podersdorf ein Schwätzchen mit der Feuerwehr.
Der wahre Witz an der Sache ist jedoch, dass weder Brand noch Kulturhaus irgendetwas lösen werden, was nicht vorher schon da war. Pinkafeld wird nicht jünger, nicht lauter und nicht Wien, nur weil man das Wort Kultur davorsetzt. Am Ende stehen Baukosten, ein Eröffnungsfest mit Blasmusik und ein Redner, der sagt, dieses Haus sei ein Meilenstein, als hätte es in der Region nicht schon Meilensteine gegeben, die meisten davon aus der Römerzeit. Der Stadl wird trotzdem weiter vermisst, so wie alles, was einmal weg ist und von dem man später behauptet, man habe es immer geliebt.
Was bleibt, ist die bewährte österreichische Mischung aus Pathos, Förderung und dem unerschütterlichen Glauben daran, dass eine Sitzung im Rathaus die Welt verändere. Wenn das Kulturhaus dann irgendwann steht, wird es feierlich eröffnet, halb leer bleiben, und der Stadl wird in den Erzählungen weiterleben als jener Ort, an dem wenigstens noch ehrlich getanzt wurde, wenn schon nicht ehrlich geplant.