In Hütteldorf wurde der Rasen nicht nur gemäht, sondern vorsorglich in den Modus „Wieder auf Kurs“ versetzt. Dieser Modus ist besonders beliebt, wenn ein Verein kurz zuvor so gespielt hat, als hätte jemand die Taktiktafel mit der Kaffeemaschine verbunden. Rapid blickt daher mit jener Zuversicht in die Partie gegen den WAC, die man nur entwickeln kann, wenn die Vergangenheit zwei Siege hergibt und die Gegenwart höflich bittet, sich nicht daran zu erinnern. Der WAC wiederum nähert sich dem Spiel mit einem Kader, der offenbar aus verfügbaren Spielern, nicht verfügbaren Spielern und einem Stapel medizinischer Zwischenberichte besteht.
Beim WAC spricht man intern bereits vom großen Zusammenrücken. Dabei handelt es sich um eine bewährte Maßnahme, bei der alle Beteiligten so eng zusammenstehen, dass das Spielgerät zwar weiterhin fehlt, aber wenigstens niemand allein traurig sein muss. Trainer Thomas Silberberger dürfte außerdem die neue Strategie „Nicht über die Tabelle sprechen“ vorbereitet haben. Sie funktioniert besonders gut, solange niemand die Tabelle öffnet. Sollte doch jemand auf die Idee kommen, könnte man sofort auf die Cup-Partie verweisen, weil dort das Elferschießen wie ein kleiner bürokratischer Notausgang wirkt.
Rapid hat derweil ein anderes Problem: Der Gegner war einmal ein Angstgegner und ist inzwischen ein Rivale, den man gern gesehen hat. Das ist im Fußball ungefähr so stabil wie die Aussage, man wolle „nur von Spiel zu Spiel denken“, während alle bereits den nächsten Gegner, die übernächste Personalie und den übernächsten Wintertransfer besprechen. Besonders spannend ist die Frage, ob Rapid nach zwei Siegen wieder Mut bekommt oder nach einer schlechten Leistung wieder vorsichtig wird. Beides ist möglich, weil Fußball seit jeher die Kunst beherrscht, aus derselben Information zwei entgegengesetzte Pressemitteilungen zu machen.
In Vorarlberg wartet unterdessen Altach auf den GAK, und das nicht nur aus sportlichen Gründen. Schließlich geht es auch um ein späteres Cup-Duell, wodurch das Ganze die seltene Atmosphäre eines Termins erhält, bei dem man vor der Besprechung schon die Einladung zur Nachbesprechung erhält. Altach hat in der laufenden Saison gegen eine Reihe starker Gegner gespielt, was fachlich korrekt und emotional ungefähr so tröstlich ist wie ein Parkschein für ein Auto, das gerade abgeschleppt wurde. Der GAK reist mit dem klaren Ziel an, gewinnen zu wollen. Diese Haltung ist wichtig, denn wenn der Wille allein drei Punkte geben würde, bräuchte man nur noch ein Protokoll und keinen Schiedsrichter.
Besonders reizvoll ist die Lage bei Altach, weil der Klub gegen den GAK in der Vergangenheit nicht so recht wusste, ob er nun Angstgegner, Lieblingsgegner oder einfach nur wiederkehrender Kalendertermin ist. Die persönliche Statistik des Trainers wird deshalb mit der Vereinsstatistik verglichen, was im Fußball völlig normal ist und ungefähr so sinnvoll wie der Vergleich eines neuen Schlüsselanhängers mit dem gesamten Verkehrswesen. Dennoch darf man gespannt sein, ob Altach die Serie beendet oder ob der GAK einfach weitermacht wie ein Formular, das trotz Fristablauf immer wieder im Postfach auftaucht.
Am Ende stehen zwei Spiele bevor, in denen die Vereine vor allem eines sicher wissen: Man muss zurückfinden. Rapid will zurück auf Kurs, der WAC zurück in die Spur, Altach zurück in die Erfolgsspur und der GAK vermutlich zurück zu jener Haltung, die vor dem Spiel immer besonders günstig zu haben ist. Die Tabelle beobachtet das alles mit der Ruhe eines Amtsschimmels, der bereits ahnt, dass nach neunzig Minuten wieder niemand so recht weiß, warum die letzte Spalte so aussieht wie ein Ausdruck aus einem falschen Drucker.
Und falls wirklich keine Lösung gefunden wird, gibt es immer noch die bewährte Abschlusshoffnung: Man arbeitet weiter, rückt enger zusammen und glaubt an die nächste Wiedervorlage. Sollten dann weiterhin alle Punkte fehlen, kann man wenigstens die Ordnerstruktur verbessern. Dort steht der Abstiegskampf seit Jahren unter „Sonstiges“, was bekanntlich die eleganteste Lösung für Probleme ist, die man nicht lösen, aber wenigstens sauber abheften kann.